Du hast keine Wahl. Und genau deshalb bist du frei.
Du glaubst, du hättest eine Wahl. Du wägest ab, entscheidest dich, schlägst einen Weg ein — und erklärst dich zum Urheber des Ganzen.
Aber wer genau ist dieses Du?
Ein Ich, das unabhängig vom Leben danebensteht und es steuert? Ein kleiner Herrscher im Kopf, der Gedanken bestellt, Wünsche auswählt und Entscheidungen aus dem Nichts hervorbringt?
Vielleicht ist dieser Entscheider nur eine Geschichte, die das Geschehen sich nachträglich über sich selbst erzählt.
Ein Gedanke taucht auf. Ein Wunsch entsteht. Eine Entscheidung fällt. Und dann sagt das Ich: Ich habe gewählt.
Doch vielleicht waren Wähler, Wahl und Gewähltes nie getrennt. Vielleicht ist das Wählen selbst einfach das Leben, das geschieht — ohne einen unabhängigen Regisseur hinter den Kulissen.
Das kratzt natürlich am Stolz. Wir möchten glauben, wir hätten alles selbst in der Hand. Dass wir uns aus eigener Kraft erschaffen und jederzeit ganz anders sein könnten. Aber schau genauer hin: Hast du entschieden, welche Gedanken dir gerade kommen? Hast du gewählt, welche Wünsche in dir auftauchen? Hast du dich selbst aus dem Nichts gemacht?
Und trotzdem erlebst du Wahl. Du überlegst, zweifelst, entscheidest. Nur beweist dieses Gefühl nicht, dass irgendwo ein getrenntes Ich sitzt, das über allem steht. Vielleicht gehört auch das Gefühl, frei zu wählen, einfach zum Geschehen.
Vielleicht war es nie anders.
Du musst nicht erst frei werden. Du musst nicht an dir arbeiten, bis du endlich den geheimen Zustand der Freiheit erreichst. Was du bist, war nicht zuerst unfrei und wird später erlöst. Es war frei. Es ist frei. Es wird frei sein.
Nicht dein alltägliches Ich — mit seinen Plänen, Ängsten und Ansprüchen — muss sich zur Freiheit hochkämpfen. Was du wirklich bist, war nie von diesem Ich getrennt und deshalb auch nie in dessen Gefängnis.
Absolute Abhängigkeit heißt: Nichts geschieht außerhalb des Ganzen. Kein Gedanke, keine Wahl, kein Ich. Und gerade deshalb gibt es nichts, das dich von deiner Freiheit trennen könnte.
Vielleicht bist du nicht frei, weil du tun kannst, was du willst. Vielleicht bist du frei, weil du nie der getrennte Jemand warst, der alles kontrollieren musste.
Du musst dich nicht befreien. Du musst nicht einmal frei sein wollen. Was du bist, ist frei — sogar frei von der Not, frei zu sein.


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