von NaReMa
Es war eine wunderschön verpackte Flucht#
Ich wurde abhängig davon, die Probleme anderer Menschen lösen zu wollen. Und das klingt erstmal edel, oder? Fast schon heldenhaft.
Es war eine Flucht.
Eine wunderschön verpackte Flucht vor meinen eigenen Baustellen, vor meinen eigenen Problemen. Denn solange ich mich um jemand anderen kümmerte, musste ich mich nicht mit dem auseinandersetzen, was in meinem eigenen Kopf vor sich ging. In diesem hohlen Raum, in dem die meisten Männer angeblich nichts drin haben.
Warum sagen das die Frauen? Warum denken so viele, Männer hätten nichts im Kopf? Ich glaube, es hat damit zu tun, dass Männer oft gelernt haben, ihre Gefühle nicht zu zeigen. Dass sie gelernt haben, zu funktionieren, statt zu fühlen. Dass sie gelernt haben, Probleme zu lösen, statt sie zu benennen. Und wenn ein Mann dann sagt „Mir geht's gut", dann meint er oft „Ich weiss nicht, was in mir vorgeht, und ich will auch nicht darüber nachdenken." Das hat nichts damit zu tun, dass Männer wirklich nichts im Kopf haben. Das hat damit zu tun, dass sie nicht gelernt haben, hinzuschauen. Und genau darum geht es beim Mannwerden: Nicht darum, mehr zu wissen. Sondern darum, mehr zu spüren.
Ich habe erkannt, dass meine Hilfsbereitschaft nicht ethisch war. Nicht, weil Helfen falsch wäre. Sondern weil es oft das Gegenteil ausgelöst hat bei meinem Gegenüber. Ich habe gespürt, dass ich Leere in mir trage – und habe diese Leere mit meinem Gegenüber geteilt, indem ich ihm einen Lösungsansatz für seine Probleme mitteilte. Ohne mir selber dabei zu helfen. Ich habe mir darin die Flucht gefunden. Darin, anderen Menschen das aufzutragen, was in mir aktuell abging. Ich habe mich damit abgelenkt und unbewusst etwas übertragen, was mein Problem war.
Es tut mir im Nachhinein wirklich leid, dass ich für andere da war, bevor ich auf mich selber geschaut habe. Das tut mir leid. Denn es hat beim Gegenüber nur meine Leere herübergetragen. Weil ich mal gelernt habe: Es spielt keine Rolle, was wir sagen, sondern wie wir es sagen. Respektive was wir in diesem Moment verspüren oder weitergeben möchten als Impuls oder Inhalt. Ich habe das vollkommen vergessen. Ich wollte das nicht. Manchmal plagt mich sogar ein schlechtes Gewissen für die Gefühle, die ich in anderen auslöse, anstatt sie selber in mir empfinden zu lernen.
Ich bin von mir selber geflohen, weil ich herausgefunden habe, dass ich meiner Natur nur näher kommen kann, wenn ich ehrlich zu mir selber bin. Denn meine Natur spiegelt die Natur im Aussen wieder. Dazu gehören auch Menschen. Oder sogar hauptsächlich Menschen.
Was ich damit meine: Alles, was mich an anderen stört, ist oft ein Spiegel von etwas in mir. Alles, was mich an anderen begeistert, ist oft ein Spiegel von etwas, das ich in mir noch nicht entdeckt habe. Die Aussenwelt ist mein Resonanzraum. Und wenn ich jemanden „retten" will, dann ist das oft ein Zeichen dafür, dass ich mich selber retten will – aber nicht weiss wie.
Es gab einen Moment, in dem ich zum ersten Mal gespürt habe, dass ich nicht ehrlich zu mir selber war. Ich stand jemandem gegenüber, der mich nur gespiegelt hat, und ich habe ihn komplett in die Enge getrieben. Ich musste ihm zeigen, dass wir beide im selben Boot sitzen. Dass wir uns beide nur weiterentwickeln wollen. Denn wir sind dafür da, erfolgreich zu werden – persönlich im Inneren sowie im Äusseren.
Das war wie ein Affe, der einem Menschen versucht zu zeigen, wie man eine Banane richtig schält. Nur dass die Banane das eigene Gefühl darstellt. Und der Affe sich dabei zum Affen macht. Weil der Mensch doch ganz genau weiss, wie man sowas macht. Aber der Affe sieht das nicht. Der Affe denkt, er muss dem Menschen helfen. Dabei hat der Mensch längst seine eigene Art, die Banane zu schälen. Und der Affe merkt nicht, dass er dabei nur seine eigene Unsicherheit zeigt. Seine eigene Angst, nicht gut genug zu sein. Seine eigene Angst, nicht gebraucht zu werden.
Aber wie ich gelernt habe: Es geht nicht um die anderen, sondern um mich. Zumindest komme ich zuerst. Danach dürfen die anderen in meinen Raum eintauchen – auf eigene Gefahr. Aber die Gefahr, die ich ausstrahle, ist in dem Moment nicht mehr so gefährlich. Oder ich muss lernen, mich selber zu spüren, um dann auch kommunizieren zu können: „Ich bin gerade nicht in der Lage, einen Fremdkörper mitsamt seinen Gefühlen in meiner Aura zu empfangen."
Ab dem Zeitpunkt, wo ich das realisiert habe, verstehe ich: Ich muss auch für andere da sein können. Weil ich es will. Ich sehe es als meinen Lebensweg, Menschen in ihrer Entwicklung, respektive in ihrem persönlichen Fortschritt, zu helfen. Darum schreibe ich auch diese ganzen Artikel. Weil ich einen Brand kreieren möchte, an dem andere festhalten können. Nicht nur aus dem Wunsch heraus, erfolgreich oder berühmt zu sein. Sondern auch aus dem Grund heraus, für andere da zu sein. Als Mensch. Mit dem Hintergedanken, selber am meisten zu lernen. Darum würde ich jedem empfehlen, der dies liest, selber mit dem Schreiben zu beginnen.
Ich habe mich edel gefühlt, als ich mit jemandem im Gespräch war und ihn zum Aufhören vom Rauchen gebracht habe. Da habe ich aber nur das Gefühl von Entwicklung in ihm gespiegelt, was in mir zu kurz kam. Ich habe etwas verdrängt, was ich in mir hätte spüren sollen. Ich hätte realisieren sollen, in dem Moment: Ich bin gerade nicht komplett. Meine Entwicklung sollte jetzt zuerst kommen. Bevor ich etwas an einem anderen bemängele.
Was sich dann als Fehler entlarvt hat. Jemandem zu recht zu weisen. Ich habe einen inneren Stress auf jemand anderen projiziert. Ich habe einen Stress in einem Mitmenschen verursacht, der mit dem Rauchen komplett zufrieden war. Nur meine Wertung hat ihn dann dazu gebracht aufzuhören. Aus sozialem Stress nehme ich an.
Und so funktioniert der Mensch: Wenn jemand von aussen Druck spürt, dann passt er sich oft an – nicht weil er es wirklich will, sondern weil er den sozialen Konflikt vermeiden will. Das nennt man soziale Konformität. Der Mensch ist ein soziales Wesen, und soziale Ablehnung fühlt sich für unser Gehirn ähnlich an wie körperlicher Schmerz. Darum geben viele Menschen lieber ihre eigenen Gewohnheiten auf, als den sozialen Frieden zu gefährden. Aber das hält nicht. Weil die innere Motivation fehlt. Weil der Druck von aussen kam, nicht von innen. Und wenn der Druck weg ist, dann kommt das alte Verhalten zurück.
Denn er hat es nicht durchgezogen. Ich habe vermieden, mit meinen eigenen Gefühlen von der Abstinenz umzugehen. Ich war auf der Flucht. Wie ein Opfer von mir selbst. Ein Opfer, das zu schwach ist, an sich selber zu arbeiten. Ich darf ruhig lernen, hart zu mir zu sein und lieb. Ich möchte lernen, mit meiner eigenen Stimme klarzukommen. Der Stimme der Gefühle und Gedanken, die zusammen auf andere treffen. Diese sollte ich nach innen wenden.
Ich habe das Gefühl von Einsamkeit, die Leere in mir, einfach nicht länger aushalten können. Darum hatte ich das Bedürfnis, jemand anderem meine Lehren aufzuzwingen. Unfair.
Ich will lernen, an meinen Gefühlen zu arbeiten. Ich will lernen, meine Impulse zu steuern. Ich will lernen, die Stimme von mir, die gegen aussen wirkt, nach innen zu projizieren, damit ich selber mit der Brutalität von meinen eigenen Worten lerne klarzukommen. Um danach harte Speaches für echte Kämpfer machen zu können.
Mir tut am meisten weh, dass ich vor der Baustelle Trauer geflohen bin. Sowie auch von anderen Gefühlen, die ich noch nicht definieren will. Weil es mir schwerfällt, mich nach innen zu wenden. Mich mir selber zuzuwenden. Und ich sollte lernen, mir selber die Aufmerksamkeit zu geben, die ich anderen einfach so schenke.
Als ich herausgefunden habe, dass ich kein Held bin, kam noch mehr Trauer in mir hoch. Ich habe mit den Tränen gekämpft wie ein kleiner Kampfsportler, der kurz davor ist, seinen Kampf zu verlieren – und ihn dann doch gewinnt. Weil er reflektiert. Im selben Moment, indem er Leistung erbringen muss. Oder dann weiss abzuschalten, wenn er wirklich gewinnen muss.
Und ich habe realisiert, dass ich vor meinen Problemen flüchte, als ich vor meinem Gegner stand und ihm gesagt habe: Ich werde gewinnen. Ich werde alles dafür geben, dich zu besiegen. Ich bezwinge dich. Komme, was wolle.
Diesen Kampf darf ich lernen, in meinem Inneren selber mit mir oder vor einem Spiegel zu führen. Ich will lernen, regelmässig vor den Spiegel zu stehen und mir klarmachen: Wer bin ich. Wer möchte ich sein. Wer werde ich sein. Komme, was wolle.
Der hohle Raum – und was darin wohnt#
Meinte ich mit dem hohlen Raum den im Kopf oder den in mir, wo die Gefühle lernen sollten, sich zu entfalten? Oder meine ich beides?
Ich glaube, ich meine beides. Der hohle Raum ist nicht nur ein Ort im Kopf. Er ist ein Ort im ganzen Körper. Er ist dort, wo die Gefühle sein sollten, aber nicht sein dürfen. Er ist dort, wo die Trauer sein sollte, aber weggedrückt wird. Er ist dort, wo die Einsamkeit sein sollte, aber mit Ablenkung überdeckt wird. Und zum Mann werden heisst für mich: Diesen Raum nicht mehr fürchten. Sondern ihn erkunden. Ihn füllen. Nicht mit fremden Dingen. Sondern mit mir selbst.
Ich habe weniger Angst davor, alleine zu sein. Oder kaum Angst, in Ruhe gelassen zu werden. Ich mache mir auch zumindest keine Sorgen, die Einsamkeit in der Langeweile aushalten zu müssen. Weil ich in meinem Leben oft schon Kämpfe durchgemacht habe. Kämpfe, die Disziplin, Kampfgeist und Wille gebraucht haben.
Ich mache mir vor allem Sorgen um zwei Dinge:
- Dass ich zu egoistisch werde. Zu egozentrisch. Dass ich mich gar nicht mehr um andere kümmere. Warum? Weil ich gelernt habe, dass Selbstfürsorge oft mit Egoismus verwechselt wird. Weil ich Angst habe, dass ich, wenn ich zuerst an mich denke, die Verbindung zu anderen verliere. Weil ich nicht weiss, ob ich ohne die Rolle des „Helfers" noch wertvoll bin.
- Habe ich Angst davor, wieder in diese Helfer-Sucht hineinzufallen. Ich mache mir Sorgen, wieder da hineinzugeraten und nicht mehr alleine herauszufinden. Ich möchte mich in einem Fall der Fälle genug früh fangen. Ich möchte effektiv lernen, wie ich präventiv vorgehen kann. Wie schaffe ich es, nicht mehr in eine Sucht hineinzugeraten? Warum? Weil ich weiss, wie leicht es ist, in alte Muster zu fallen. Weil ich weiss, dass die Sucht nicht weg ist. Sie wartet nur. Und ich will vorbereitet sein.
Das lerne ich in dem Rahmen, indem ich aktuell bin.
Stell dir vor, in diesem Rahmen ist es wie die Kreation von einem Mandala. Zuerst wird die Skizze gezeichnet. Die groben Linien. Die Struktur. Das ist die Selbstreflexion. Dann kommen die Farben. Die Details. Das ist die Fremdreflexion – wenn andere mir zeigen, was sie in mir sehen. Und dann wird das Mandala ausgemalt. Schicht für Schicht. Farbe für Farbe. Und jedes Mal, wenn ich denke, ich sei fertig, sehe ich, dass da noch eine Lücke ist. Noch eine Farbe, die fehlt. Noch ein Muster, das ich nicht gesehen habe. Und dann male ich weiter. Und das Mandala wird komplexer. Tiefer. Echter.
Und so ist es mit mir. Ich bin die Skizze. Ich bin die Farben. Ich bin das Mandala. Und ich lerne gerade, mich selbst zu malen.
Ich habe weniger Angst vor irgendwas, als dass ich mich darauf freue, mich komplett in meinem Potential zu entfalten. Ich habe das Gefühl, dass wenn ich so weitermache, dass ich dann sehr erfolgreich werde. Wenn nicht jetzt, dann in näherer Zukunft. Oder fernerer. Das, was die Zeit halt mit sich bringt.
Berühmt zu werden ist hier nicht der erste Punkt. Sondern als allererstes mache ich das alles für mich. Um mich als Mensch weiterzuentwickeln. Ich glaube, ich habe mit dem Ziel Millionär ein zu tiefes Ziel angesetzt. Davon gibt es viele. Warum nicht Milliardär?
Ich beschreibe jetzt diesen hohlen Raum in mir. Er fühlt sich zum Teil sehr egoistisch an. Zum anderen fühlt er sich sehr vertraut an. Weil ich mich da einem Gefühl von Bedürftigkeit hingeben darf, respektive einem Gefühl, was anderen schadet. Weil ich so von mir selber ablenke.
Ich habe auch oft das Gefühl zu wissen, was andere fühlen oder denken, ohne davor nachgefragt zu haben. Dabei projiziere ich wieder nur meine eigenen Gedanken, respektive meine eigenen Gefühle auf mein Gegenüber. Warum mache ich das? Weil es einfacher ist, anzunehmen, ich wüsste, was der andere braucht, als nachzufragen und zu riskieren, dass ich falsch liege. Weil es mir das Gefühl gibt, Kontrolle zu haben. Weil es mich von meinen eigenen Gefühlen ablenkt.
Wie kann ich davon wegkommen? Indem ich lerne, nicht mehr zu projizieren. Sondern zu fragen. Zuzuhören. Wirklich zuzuhören. Nicht um zu antworten. Sondern um zu verstehen. Und wie schaffe ich den richtigen Switch, auf mich selber acht zu geben, bevor ich anderen helfen versuche, die meine Hilfe gar nicht haben wollen? Indem ich mir die Frage stelle: „Hat mich jemand um Hilfe gebeten?" Wenn ja, dann helfe ich. Wenn nein, dann halte ich mich zurück. Ich helfe, wenn ich gebraucht werde. Aber nicht umgekehrt. Ich brauche nicht anderen zu helfen.
Ich spüre in diesem Loch eine Verletzlichkeit. Eine enorm grosse sogar. Ich spüre effektiv, wie ich in dieser Leere von anderen beeinflusst werden kann. Weil ich anderen versuche, mich aufzuzwingen. Oder weil ich in der Leere so hungrig nach Verbindung bin, dass ich jeden Impuls annehme, der mir das Gefühl gibt, nicht allein zu sein.
Das macht mir Sorgen. Oder eher umgekehrt sogar: Ich kann einen grossen Einfluss durch diese Leere auf andere haben. Von dem mache ich mir vor allem Sorgen. Ich ertappe mich beim Schreiben sogar wieder, wie ich mich mehr um andere kümmere als um mich selbst. Das ist ja nichts Schlechtes. Solange ich in erster Linie mich mit mir selber beschäftige.
Ich weiss nicht, ob ich mir die Macht zutraue, wirklich über ein kleines oder dann sogar grösseres System zu „herrschen", respektive es in meiner Gewalt zu haben. Oder sollte ich sagen: mich darum zu kümmern. Warum mache ich mir Sorgen, diese Worte „herrschen" oder „Gewalt" zu nutzen? Sie werden ja präsenter in unserem Leben. Jetzt mit der ganzen Situation auf der Welt, wo so viele Menschen ums Leben kommen. Nur weil Grossmächte nicht genug haben. Weil Macht korrumpiert. Weil Macht, die nicht von Selbstreflexion begleitet wird, zur Tyrannei wird. Und ich will nicht zum Tyrannen werden. Ich will zum Führer werden. Zu jemandem, der andere inspiriert, nicht kontrolliert.
So fühlt sich diese Leere an. Ein Wechselspiel zwischen den beiden Extremen. Krieg und Frieden. Einsamkeit und Überfordertsein von zu vielen Menschen. Stille und Lärm. Kontrolle und Kontrollverlust. Nähe und Distanz. Geben und Nehmen.
Als ich das erste Mal alleine war, ohne Aufgabe, ohne jemanden, der mich brauchte, habe ich nur sehr schlecht geschlafen. Meine Fantasie hat sich in der Wachphase Horrorszenarien ausgemalt, und im Schlaf hatte ich Albträume.
Ich war in einer Situation, in der ich keinem wünsche zu sein. Weil es einfach nicht schön ist, einen Entzug zu machen. Alleine das ist auch ein Grund für mich, nicht mehr mich einer Dopaminquelle komplett hinzugeben. Weil sie zerstört nicht nur das Leben. Sie löst auch eine Situation aus, von der man so fest Angst hat, dass man nicht von der Sucht wegkommen will.
Stell dir ein Kind vor, das jedes Mal, wenn es etwas Gesundes essen will, davor geschlagen wird. Warum sollte es sich dann noch gesund ernähren wollen? Das Kind lernt: Gesund essen = Schmerz. Und das Kind im ungesunden Verhalten ist die Sucht. Und das gesunde Essen ist der Moment nach der Sucht. Der Moment, in dem man wieder klar denken kann. Der Moment, in dem man wieder spüren kann. Aber wenn der Weg dorthin so schmerzhaft ist, dann bleibt man lieber in der Sucht. Weil die Sucht wenigstens bekannt ist. Weil die Sucht wenigstens keine Überraschungen bereithält.
Bequemer war es, mich einer Sucht von Reizen hinzugeben. Kann man süchtig nach Reizen sein?
Ja. Und zwar so: Unser Gehirn ist darauf programmiert, nach Belohnung zu suchen. Und Reize – besonders digitale Reize – liefern schnelle, einfache Belohnung. Ein Like. Eine Nachricht. Ein neues Video. Jedes Mal, wenn wir einen Reiz konsumieren, schüttet unser Gehirn Dopamin aus. Und Dopamin ist nicht das „Glückshormon", als das es oft bezeichnet wird. Dopamin ist das „Motivationshormon". Es sagt uns: „Das war gut. Mach das nochmal." Und wenn wir immer wieder schnelle Reize konsumieren, dann gewöhnt sich unser Gehirn daran. Es braucht immer mehr Reize, um die gleiche Menge Dopamin auszuschütten. Und dann sind wir süchtig. Nicht nach dem Reiz selbst. Sondern nach dem Dopamin. Nach dem Gefühl, das der Reiz auslöst.
Der Bildschirm als Prothese#
Im ersten Moment habe ich zum Handy gegriffen, als ich kein Geld mehr hatte. Ich dachte, das Leben macht gar keinen Sinn mehr. Also habe ich mir wieder dieses wirklich süchtig machende Spiel heruntergeladen. Dieses eine Spiel, was so aufsaugt, dass man die Macht über seine eigene Realität verliert.
Als ich dann aufgehört habe, habe ich dann nur noch in sehr wenigen Momenten zum Handy gegriffen. Ich kann gar noch nicht beschreiben, in welchen Momenten. Es waren Momente, in denen ich nicht weiterwusste. Es sind Momente, in denen ich aus Langeweile einen Reflex habe, danach zu greifen. Neben den Mitmenschen, die mein Leben „leichter" gemacht haben, weil ich mich aufgezwungen habe. Nur weil ich alleine nicht mit meinen Gefühlen klarkam. Dann war da auch noch das Handy.
Oder ich bin mich gerade noch am Kennenlernen. Ich möchte diese Impulse lernen zu steuern. Ich will effektiv herausfinden, wie ich funktioniere und wie ich mich programmieren kann. Ich hoffe, dass ich mich in 10 Jahren auch noch danach sehne: Dem ewigen Spiel vom Lernen.
Dafür will ich #livingmen auch nutzen. Als Brand, der für mich da ist, wenn ich nicht mehr weiterweiss. Um mich daran zu erinnern, was ich in meinem Leben alles schon geschafft habe oder woran ich noch arbeiten darf. Ich spüre #livingmen ist für Menschen da. Für Männer, sowie Frauen, die lernen wollen, zu fühlen. Für Männer, die lernen wollen, ehrlich zu sein. Für Mensch, der lernen will, sich selbst zu führen.
Was der gesunde Dopaminhaushalt angeht: Der Bildschirm hat mir die Zeit gegeben. Er hat mir das Abchecken der Nachrichten, der SMS gegeben.
Nächstes Mal, wenn ich zum Handy greifen würde, dann würde ich mir Zeit nehmen. Einen Timer einstellen, um einfach nur 90 Sekunden dazusitzen. Oder noch besser: Ich zähle einfach auf 90. Das habe ich als Kind schon manchmal getan, wenn mir langweilig war. Einfach zählen. Bis 90.
Was gäbe es noch für Übungen?
- Die 5-4-3-2-1-Methode: Wenn du merkst, dass du zum Handy greifen willst, halte inne. Benenne 5 Dinge, die du siehst. 4 Dinge, die du hörst. 3 Dinge, die du spürst. 2 Dinge, die du riechst. 1 Ding, das du schmeckst. Das holt dich zurück in den Moment. Zurück in deinen Körper.
- Die Frage-Übung: Frage dich: „Was fühle ich gerade?" Nicht „Was will ich tun?" Sondern „Was fühle ich?" Und dann warte. Die Antwort kommt. Manchmal sofort. Manchmal nach ein paar Sekunden. Aber sie kommt.
- Die Körper-Übung: Lege deine Hand auf deine Brust. Spüre deinen Herzschlag. Atme tief ein. Atme tief aus. Wiederhole das 5 Mal. Das beruhigt dein Nervensystem. Das gibt dir Zeit.
- Die Bewegungs-Übung: Wenn du den Impuls spürst, zum Handy zu greifen, steh auf. Geh nach draussen. Mach 10 Kniebeugen. Mach 10 Liegestütze. Beweg deinen Körper. Das verändert deine Biochemie. Das gibt dir eine andere Art von Dopamin.
Der Brief an meine Sucht#
Hallo Sucht,
Du hast mich lange begleitet. Mehrere Phasen in meinem Leben warst Du für mich da. Wir haben viel Zeit miteinander verbracht. Oder soll ich sagen: genug?
Ich weiss, Du wirst nicht verschwinden, denn die Gefahr, Dich wiederzutreffen, existiert nunmal. Ich bin froh, Dich aktuell nicht mehr im Vordergrund zu haben. Dir nicht die Stirn bieten zu müssen. Jetzt endlich wieder ein selbstbestimmtes Leben führen zu dürfen.
Mir fällt es sehr schwer, Dir gegenüber Dankbarkeit zu äussern. Aber Du bist nunmal Teil von mir, also sollte ich auch Dir gegenüber dankbar sein. Darum nutze ich diesen Brief, Dir Danke zu sagen, dass Du in schweren Zeiten für mich da warst –> Danke.
Trotzdem möchte ich auch Danke sagen, dass Du Dich als falscher Freund entlarvt hast.
Im ersten Moment, wo ich Dich entlarvt habe, war ich einsam. Ich wusste nicht, was ich mit mir selber mehr anfangen sollte. Nach zwei Wochen fühle ich mich nach wie vor manchmal alleine. Doch jetzt gehört es dazu. Ich lerne damit umzugehen.
Dazu gehört auch die Trauer, die ich jetzt zulassen darf. Ich spüre manchmal eine Leere in mir. Die Zeit gibt es manchmal, in der ich zurückdenke. Ich lerne gerade die Emotion Trauer – darf ich wieder spüren.
Ich bin traurig, dass ich solange nicht für mich selber da war. Ich habe mich selber komplett vernachlässigt. Meine Persönlichkeit habe ich untergraben. Ich habe mich für Dich aufgeopfert. So viel Zeit habe ich verloren.
Ich möchte Dich nicht mehr in meinem Leben. Ich würde mir wünschen, Dich gibt es nicht. Aber Du existierst nunmal. Bleibe fern von mir. Ich weiss, Du bist gefährlich. Also habe ich Respekt vor Dir.
Die Erinnerung an Dich bleibt. Also darf es Dich geben. Nur in der Vergangenheit.
Wir werden weiterhin zusammenleben. Ich voran, Du hinterher. Nochmal würde ich mir wünschen, dass der neue Weg ohne Dich weiterverläuft. Aber ich weiss, dass ich Dich nicht verlassen oder kontrollieren kann. Darum wird unser Weg gemeinsam weitergehen.
Ich hoffe, Du verstehst mich. Denn ich habe für Dich einen Ehrenplatz. Den Platz, der nur Dir gebührt.
Ich möchte eine Zukunft. Ein durchsichtiges Kästchen habe ich für Dich. In meinen Erinnerungen wirst Du bleiben. Ich werde Dich da hineinpacken. Du wirst meine Aufmerksamkeit bekommen. Aber die Tür vom Kasten bleibt verschlossen.
Zu wissen gilt: Dich hat es mal gegeben. Du darfst da drin bleiben. Mein Weg geht weiter. Ich blicke in eine Zukunft. Dank der Möglichkeit, Dich hinter mir zu lassen. Da hast Du Deinen Platz.
Die Transformation – Ich werde zum Mann#
Wie werde ich zum Mann?
Indem ich lerne, zu fühlen. Indem ich lerne, ehrlich zu sein. Indem ich lerne, mich selbst zu führen. Indem ich lerne, Verantwortung zu übernehmen – nicht nur für andere, sondern zuerst für mich. Indem ich lerne, meine Grenzen zu spüren und sie zu kommunizieren. Indem ich lerne, nein zu sagen, wenn es nein bedeutet. Und ja zu sagen, wenn es ja bedeutet. Indem ich lerne, nicht mehr zu fliehen. Sondern zu bleiben. Bei mir.
Ich bin sicherer in meinem Selbst geworden. Ich habe mehr Selbstsicherheit gewonnen. Ich spüre meine eigenen Grenzen plötzlich. Ich habe Respekt vor mir selber bekommen.
Aber das macht mir auch bisschen Angst. Wie vorhin angesprochen: Ich will nicht zum Egoisten werden.
Ich nehme meine Mitmenschen anders wahr. Ich traue mich mehr zu äussern. Ohne auf negatives Feedback zu kommen. Und wenn, ist es sehr konstruktiv. Ich bin direkter geworden, und die anderen somit auch.
Ich spüre, wie ich langsam zum Mann werde. Klingt kindisch? Aber ist nunmal so.
Erfolg bedeutet für mich Freiheit. Meinungsfreiheit. Finanzielle Freiheit. Freiheit im Tun. Natürlich solange ethisch. Erfolg bedeutet für mich, authentisch zu sein. Nicht zu spielen. Nicht zu performen. Sondern zu sein. Erfolg bedeutet für mich, dass ich am Ende des Tages in den Spiegel schauen kann und den Mann sehe, der ich sein will.
Was könnte noch Erfolg für #livingmen bedeuten?
Erfolg bedeutet, dass ich meine Werte lebe. Nicht nur predige. Erfolg bedeutet, dass ich andere inspiriere, nicht kontrolliere. Erfolg bedeutet, dass ich lerne, zu scheitern, und trotzdem weitermache. Erfolg bedeutet, dass ich lerne, zu verlieren, und trotzdem stark bleibe. Erfolg bedeutet, dass ich lerne, zu lieben, ohne mich zu verlieren.
Erfolg bedeutet für mich, auf mein inneres sowie äusseres unheimlich viel, unglaublich, ohne irgendetwas zu vernachlässigen, acht zu geben. Es bedeutet für mich Perfektionismus – in dem etwas nicht perfekt ist. Indem alles perfekt ist ausser etwas, das was noch weiterentwickelt werden darf. Wenn es perfekt wäre, gäbe es meine Lebensaufgabe gar nicht. Die Verwurzelung in der Erde. Der perfekte Baum, der mit den Ästen nach den Sternen greift.
Ich sehe andere Menschen, die ich „retten" will, als Spiegel. Ich sehe sie als Mensch. Als gleich, als gegenwärtig. Ich spüre Verantwortung gegenüber mir sowie gegenüber anderen.
Die Einladung an Dich#
Du bist gut. Arbeite trotzdem zuerst selber an Dir. Nicht an den Anderen.
Deine Hilfsbereitschaft ist zwar schön. Doch wichtig ist, dass Du im Inneren komplett wirst. Dass Du Deine Leere mit einem Muster füllst. Fülle sie nicht mit fremdem Wirrwarr. Male ein Mandala daraus. Kreiere das Mandala selber.
Du bist dafür da, an Dir zu arbeiten. Egal wie lange es dauert. Auch wenn es Dein ganzes Leben dauert.
Du bist für Dich als erstes da. Erst wenn Du fertig bist mit Dir selber, dann darfst Du für andere da sein. Da Du nicht mit Dir fertig wirst, kommst Du immer zu erst. Dann im gleichen Moment, wenn Dir wer begegnet, ohne dass Du einen Menschen suchst, für den Du dasein kannst – dann darfst Du für Dein Gegenüber da sein. Nur dann.
In den Momenten, indem Du gerade an Dir selber arbeitest und „gestört" wirst – das ist der Moment, indem Du achtsam, behutsam, oder direkt den anderen unterstützen darfst.
Gehe in die Natur ohne Handy. Verbringe Zeit mit Dir selber, ohne Dich einer Sucht hinzugeben. Mache die Do-Nothing-Challenge. 15 Minuten nur Sitzen, Atmen, oder Stehen. Sonst nichts.
Du bist nicht allein. Und es ist möglich. #livingmen
Du gehst Deinen eigenen Weg.
Was ich noch gelernt habe und was ich dir mitgeben möchte:
- Schreiben ist Heilung. Nicht, weil es die Probleme löst. Sondern weil es dich zwingt, hinzuschauen. Weil es dich zwingt, ehrlich zu sein. Weil es dich zwingt, dich selbst zu konfrontieren.
- Ehrlichkeit ist Mut. Nicht, weil es einfach ist. Sondern weil es weh tut. Weil es bedeutet, dass du dich selbst nicht mehr belügen kannst.
- Selbstfürsorge ist kein Egoismus. Es ist die Grundlage von allem. Weil du nur dann wirklich für andere da sein kannst, wenn du zuerst für dich selbst da bist.
- Gefühle sind Informationen. Nicht Feinde. Nicht Schwächen. Sondern Informationen. Und wenn du lernst, sie zu lesen, dann lernst du, dich selbst zu navigieren.
- Der Weg ist das Ziel. Nicht, weil es ein Klischee ist. Sondern weil es wahr ist. Weil es kein „Ankommen" gibt. Nur ein „Weitergehen". Und dieses „Weitergehen" ist das, was dich zum Mann macht.
NaReMa – Natur. Real. Mann.


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