Goethes Merz

Der erste Frühling war verflogen, dann kam der Sommer, der verging, dann schon der Herbst, viel ward gelogen und auch im Winter war es schlimm. Reform, Reform war die Parole, doch außer Worten keine Tat, nur leere Wahlversprechsymbole, und niemand folgte seinem Rat.

Georg Ohrweh

13. Juni 2026June 13, 2026 · 2 Min. Lesezeit2 min read

Zur heiteren Einstimmung ein Gedicht nach Johann Wolfgang von Goethe:

Merz

Es ist ein Sondervermögen gefallen,

Denn es ist noch nicht Zeit,

Dass von den Wahlversprechungen allen,

Dass von den Wahlversprechungen allen

Wir werden hoch erfreut.

Die Sommerpause betrüget

Mit mildem, falschem Schein,

Der Bundeskanzler selber lüget,

Der Bundeskanzler selber lüget,

Warum? Das weiß nur er allein.

Sollt ich mich einzeln freuen,

Wenn auch der Machtwechsel nah?

Doch kommen wir zu zweien,

Doch kommen wir zu zweien,

Gleich ist der Fall der Brandmauer da.

Ja, gleichwohl raunen wilde Recken, dass sich eine zweite Brandmauer gezeiget habe, namentlich diese, zwischen dem Amte des so hoch ehrenwerten Bundeskanzlers und der Person, die dieses Amt auszukleiden sehr bemühet, aber vermöge fehlenden Könnens nicht in Stande ist, es auszufüllen.

Ein noch nicht sehr erforschter, neuer Magnetismus, ist den Gelehrten offenbaret worden. Einer, der in natürlichem Zustande eine gegenseitige Anziehung zweier Magnete zu bewirken vermag, jedoch das Phänomen auftritt, dass sich dieselben auf geheimnisvolle Weise abstoßen. Dem jedoch noch nicht genug. Die Mystik besteht darin, dass sich diese Kraft von Tag zu Tag, den der Herrgott uns schenkt, zu vergrößern im Stande ist.

Oh, ihr Götter des Magnetismus, was habt ihr nur angerichtet?

Düstere Bilder zeigen sich dem, der zu erkennen vermag. Bald, schon sehr bald, wird das Amt des Bundeskanzlers im ersten warmen Lichte des Morgens wie eine wolkengleiche, durchlässige Hülle vor unseren Augen erscheinen, zwar noch da, noch zu sehen, aber ohne jeden Inhalt. Und daneben wird ein Menschlein stehen, nackt, hilflos, frierend, das Sehnsucht nach der Hülle hat, und nicht im Stande ist, in sie hineinzuschlüpfen.

Dann kommt die Erkenntnis über ihn: Ich gehörte nicht in diese Hülle, ich passte dort nie nicht hinein! Und nur die Götter allein wissen, welcher Teufel mich geritten hat, es dennoch zu versuchen.

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(Dieser Beitrag wurde mit dem Pareto-Client geschrieben.)

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(Bild von pixabay)

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