„Wer stört, muss weg!“ Ein Buch von Heike Egner und Anke Uhlenwinkel, Teil 1 von 2

Die Entfernung kritischer Professoren aus Universitäten

Georg Ohrweh

26. Oktober 2026October 26, 2026 · 7 Min. Lesezeit7 min read

Für jemanden, der sonst nichts mit dem Universitätsbetrieb zu tun hat, liest sich das Buch wie ein spannender Krimi, leider nicht im positiven Sinne.

Man kann das gut verständliche Buch nicht einfach weglegen und sich sagen: Tja, dumm gelaufen. Das in dem Buch beschriebene zeigt deutlich den Paradigmenwechsel einer Generation, die in der Erziehung in früheren Jahren ganz andere Werte mitbekommen hat, als es bei der heutigen Generation der Fall ist. Es berichtet auch von angepassten älteren Systemlingen, die sich der „neuen Zeit“ aalglatt angepasst haben. Die Wirksamkeit der Rechtsprechung muss in Frage gestellt werden. Man hat das Gefühl, hier wurde ein neues, auf die aktuelle Zeit angepasstes Drehbuch zu dem aus den 60-er Jahren geschriebenen Film „Die Zeitmaschine“ geschrieben, in dem die Eloi und die Morlocks zwar auf dem selbem Planeten, aber in ganz unterschiedlichen Welten leben.

Es entsteht der Eindruck, dass Wissen wieder mehr zu etwas Elitärem gemacht werden soll, für eine bestimmte Schicht der Gesellschaft, der nur „Auserwählte“ mit dem entsprechenden Stallgeruch angehören sollen. Für den Rest reicht die Möglichkeit des Abfragens von „Wissen“ via KI oder Internet, dass so platziert wird, dass meistens die erste Antwort genau die ist, die von der breiten Masse geglaubt werden soll. Hier wird die Bequemlichkeit des Menschen ausgenutzt, der in der Regel nicht nach einer zweiten, dritten, bzw. weiter unten aufgeführten Information die Lust hat zu suchen.

Danach ginge der Trend wieder zurück ins Mittelalter, wo nur wenige Lesen und Schreiben konnten (PISA-Studie) und Wissen unter Verschluss gehalten wurde (übrigens bis heute weiß niemand, welcher Wissensschatz sich noch in den Archiven des Vatikans befindet und der Menschheit vorenthalten wird).

Erkennt man wieder, dass Wissen tatsächlich Macht ist, ist dieses Wissen unter uns Menschen inzwischen so groß, dass die Politik um ihre Macht bangen muss, wie seinerzeit zu viel Wissen im Volk den Herrschaftsanspruch der Kirche in Gefahr gebracht hat?

Das Internet hat sicher dazu beigetragen, dass die Deutungshoheit nicht mehr in den Händen einiger weniger liegt. Mit Aufkommen der Möglichkeit der Informationsbeschaffung über das Internet ist es zu einer Art „Martin Luther“ geworden, der durch die Bibelübersetzung und den gutenbergschen Buchdruck Wissen einer breiten Masse ermöglicht hat.

Auffallend an den in dem Buch genannten Beispielen ist, dass die Entlassungen, viel treffender das verwendete Wort "Entfernungen", denn das trifft den Nagel auf den Kopf, Degradierungen bis hin zu Denunziationen mit dem Abbau demokratischer Verhältnisse zugunsten autokratischer bis hin zu totalitären Strukturen einhergehen.

Die Unschuldsvermutung zu Anfang einer Untersuchung eines „Beklagten“, wenn man so will, wird übertragen auf den „Kläger“, der von Anfang an zum Ziel hat, dem „Beklagten“ sein Fehlverhalten, seine „Schuld“ nachzuweisen. Mit Rechtsstaatlichkeit, wie man sie bisher kannte, hat das nichts mehr zu tun.

Vertrauen in den Rechtsstaat spielt für die im System mit einer bestimmten Absicht Sitzenden keine Rolle mehr, weil deren Grundhaltung ist, dass das System durch das Recht geschützt wird, und wer sich dem nicht unterwirft, wird aus dem System ausgeschlossen.

Wenn beschlossen ist, dass jemand keine Chance haben soll, Recht zu bekommen, dann bekommt er es auch nicht.

Datenschutz spielt keine Rolle mehr, wie auf Seite 66 im Falle der Professorin beschrieben wird.

Wenn in einem Entfernungsverfahren nur Mitarbeiter befragt werden, die zugunsten der längst beschlossenen Beseitigung des unbotmäßigen „Delinquenten“ etwas sagen dürfen, dann ist der Weg von Recht zu Willkür nicht mehr weit.

Ein derartiges Vorgehen erinnert an Schauprozesse in Schurkenstaaten.

Dasselbe gilt auch für Schikanen, denen die zu Entfernenden ausgesetzt werden, wie zum Beispiel das vorher nie erforderliche Verfassen von Berichten zur eigenen Tätigkeit.

Nicht das Verfahren/die Untersuchung führt zu einem Ergebnis, sondern das Ergebnis steht bereits fest, nur der Weg dahin muss noch zielstrebig verfolgt werden.

In orwellscher Manier wird Rechtsfrieden zu Rechtskrieg gemacht.

Mobbing scheint das geeignete Mittel zu sein, jemanden loszuwerden, der besser, der qualifizierter, der engagierter ist, der wissenschaftlicher arbeitet, als man selbst.

Nach den Schilderungen in dem Buch ist Wissenschaft zu einem Produktionsprozess verkommen, in dem vorne Geld hineingesteckt wird, und hinten das gewünschte Ergebnis herauskommen soll. Wissenschaftliches Arbeiten wird durch betriebswirtschaftliches Vorgehen, „Managerialism“ genannt, ersetzt. Das Gegenteil von Forschung in Einsamkeit und Freiheit.

Ähnlichkeiten zum gewinnorientierten Gesundheitswesen mit Fallpauschalen, Bettenauslastung und festgelegtem stationärem Aufenthalt nach Erkrankung, unabhängig von der persönlichen Schau der erkrankten Person, gehen in eine ähnliche Richtung, in dem der Aspekt des Geldes über allem anderen steht.

Beides sind Beispiele dafür, wenn man sie unter dem Licht der Sozialen Dreigliederung nach Rudolf Steiner betrachtet, dass der Soziale Organismus krank ist, weil hier das Rechtsleben, für das der Staat zuständig wäre, in das freie Geistesleben, zu der die Wissenschaft gehört, krankmachend und zerstörerisch eingreift.

Das Wirtschaftsleben greift ebenfalls schadend in das freie Geistesleben, die frei sein sollende Wissenschaft ein, in dem der vorgesehene Schutz, die Garantie einer Beschäftigung auf Lebenszeit, die ein festes Gehalt und innere Freiheit gewährleisten soll, ebenfalls ausgehebelt wird, in dem befristete, kündbare Stellen zunehmen.

Interessant auch die Studie zu der Herkunft der zu Entfernenden, die darauf hinweist, dass man lieber „unter sich“ bleiben will, dass ein Akademiker aus einem Akademikerhaushalt qua seiner Herkunft schon als qualifizierter angesehen wird, als jemand, der aus einem Arbeiter- oder Handwerkerhaushalt nicht den richtigen Stallgeruch mitbringt.

In dem man sich zu einem elitären Kreis gehörend fühlt, erhebt man sich über andere Menschen, was das grundsätzliche Menschenbild durchaus als fragwürdig erscheinen lässt.

Unangenehme Wahrheiten, die bei einer sorgfältigen wissenschaftlichen Arbeit durchaus herauskommen können, werden zum Störfaktor, wenn ein bereits festgelegtes Ergebnis herauskommen soll.

Redliches Forschen kann nur möglich sein, mit dem Bewusstsein, dass das Streben nach Wahrheit, die Wahrheitsfindung immer nur eine Annäherung an die Wahrheit sein kann, eine vorläufige Wahrheit, in einem nie endenden Prozess einer fortlaufenden Suche. Richtig gesagt in dem Buch wird, dass Wissenschaft immer nur der letzte gesicherte Stand des Irrtums sein kann.

Bestes Beispiel dafür, wie weit die Schere auseinandergehen kann, ist das Corona-Ereignis, in dem viele sogenannte Wissenschaftler nach rund 7 Jahren heute immer noch an dem Wissensstand von damals festhalten und sich vehement gegen die inzwischen dazugekommenen Erkenntnisse mit aller Kraft wehren, was einer Verweigerung der fortgeschrittenen Kenntnisse gleichkommt. Die Realität sagt, dass die allermeisten sogenannten Verschwörungstheorien zu Corona inzwischen wahr geworden sind. Die Pflicht zur Werturteilsfreiheit wurde hier zugunsten einer politisch motivierten Vorgehensweise geopfert, um Teil des Systems zu bleiben, dass einem Prestige und einen bestimmten Status garantiert.

Die geistige Tätigkeit, die wissenschaftliche Forschung, wird durch Wissenschaftsmanager ersetzt, deren Aufgabe es vor allem ist, Geldtöpfe ausfindig zu machen, und die dabei niemals den Grundsatz vergessen: „Wess‘ Brot ich ess‘, dess‘ Lied ich sing‘“.

Die Verkommerzialisierung der Wissenschaft wird auch von den sogenannten Leitmedien unterstützt, in dem sie so tun, als ob es nur „die eine Wissenschaft“ gäbe.

Wenn die Politik über Drittmittel in die Wissenschaft eingreift, führt das zu einer ideologischen Aufladung und gleichzeitig zu einer Mittelmäßigkeit der Ergebnisse, weil nicht mehr die unbedingte Erkenntniserweiterung im Vordergrund steht, sondern die Beschaffung von Mitteln.

Weiter findet eine Umkehr der Rolle des Lernenden und des Lehrenden statt. Es ist nicht mehr so, dass der Lernende zunächst „dumm“ ist und der Lehrende Wissen vermittelt, sondern der Lehrende ist jetzt dumm, wenn er den Stoff dem Lernenden nicht so erklären kann, dass er ihn versteht. Und statt die eigene Dummheit zuzugeben, wozu die Fähigkeit der Selbstreflektion gehören würde, beschweren sich jetzt die Lernenden über ihre Unzufriedenheit mit den Lehrenden, statt sich einzugestehen, dass sie sich möglicherweise selbst intellektuell überfordern. Begünstig wird dieses Verhalten durch ein übersteigertes Selbstbewusstsein der jüngeren Generation, in der Selbstzweifel unbekannt ist.

Fortsetzung Teil 2

„Wer stört, muss weg!“ ist erschienen im Westend-Verlag, ISBN 978-3-86489-475-6

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(Übrigens: Meine Artikel sind nicht KI-generiert, sondern stammen authentisch aus meinem Geist und meiner Feder, was von der Tageskondition abhängig, unterschiedlich gut gelingt und mich nicht vor Tippfehlern schützt.)

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(Dieser Beitrag wurde mit dem Pareto-Client geschrieben.)

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(Bild von pixabay. Die Bilder dort sind allerdings oft KI-generiert, aber selbst malen und zeichnen kann ich nicht auch noch.)

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