Ich geh' hier nicht weg!

Ich lebe seit über 60 Jahren (hauptsächlich) hier. Ich wurde als einer der vielen Baby-Boomer-'Blagen' Anfang der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts geboren. Seit Jahren (oder sind es schon Jahrzehnte?) hadere ich mit dem Verfall der Region und malträtiere meinen Kopf mit Gedanken über Wegzug, Auswanderung oder sonstige Realitätsflucht.

BlackMirrus

14. Juni 2026June 14, 2026 · 6 Min. Lesezeit6 min read

Das Ruhrgebiet war nie wirklich 'schön'. Mein Vater kam als heimatvertriebenes Kind (elternlos) aus dem Sudetenland nicht hier hin, weil es so schön war. Er tauschte die duftenden Wälder Böhmens gegen rußige Schlote an der Emscher, weil er überleben musste - und junge, kräftige Männer in Industrie und Bergbau gebraucht wurden. Auch, wenn er emotional hier nie wirklich ankam, nie Wurzeln warf und nie glücklich war, blieb er aus existenziellen Gründen im Ruhrgebiet. Und - wie das junge Männer so tun - lernte meine Mutter kennen und lieben. Sie bekamen viele Kinder. Und die bildeten von Anfang an echte, tiefe, tragfähige Wurzeln aus! Ich bin eines dieser Kinder - für mich war das Ruhrgebiet vom ersten Erinnerungsmoment an "Zuhause" - das Wort "Heimat" hätte ich als damals kosmopolitisch-linker, pazifistisch-grüner Erstwähler nie benutzt. Es war mit in den 1980er Jahren schon zu "oldschool". Ich hab mich hier als junger Mensch sehr wohl gefühlt, habe hier GElernt, GEarbeitet, GEfeiert, GEliebt und schließlich meine eigene Familie GEgründet. Auch ich habe Wurzeln geschlagen. Und diese Wurzeln waren stark genug, um auch wieder Kinder und jetzt sogar Enkel zu tragen.

Ich liebe das Ruhrgebiet, seinen herben Charme, sein urbanes, aber unaufgeregtes Leben, seine unpretentiösen Menschen. Für mich ist leben hier echtes SEIN und nicht SCHEIN. Ich wäre bis vor (sagen wir) 25 Jahren nie auf die Idee gekommen, dauerhaft woanders hin zu gehen. So habe ich hier bereits über 40 Jahre im Außendienst gearbeitet, kenne jeden Winkel hier, jeden Stadtteil zwischen Moers und Hamm und in vielen anderen Teilen Deutschlands. Und doch kam dann eine Zeit, in der ich mich unwohl fühlte - und über viele Optionen der "Flucht" nachdachte.

Denn das Ruhrgebiet wird seit langem, maßgeblich seit der kompletten EU-Grenzöffnung nach Osteuropa, aber auch nach 2015, im wahrsten Sinn des Wortes "kaputtmigriert".

Mehr Müll als Abfuhr!

Ich teile meine Umgebung, meinen Lebensraum gern mit anständigen Menschen, dabei ist mir deren Hautfarbe oder Religion völlig egal. Es geht mir am Arsch vorbei, welche Sprache sie zuhause sprechen, welche Namen sie ihren Kindern geben oder was sie zum Abendessen kochen. Mehr noch: Ich habe sogar oft gelernt, dass Zuwanderer aller Art die angenehmeren Menschen sind, wenn man sie mit missratenen Exemplaren der eigenen Ethnie (hier gern "Asi's" genannt) vergleicht. Arschlöcher gibt es überall und jeder Genese.

Trotzdem konzentriert sich im Ruhrgebiet vor allem der schwierige und unangenehme Teil der Migration: Weil es hier viel verfallenen, aber günstigen Wohnraum gibt, den der demografische Wandel und die Deindustrialisierung frei werden ließen. Weil es hier für viele Nationen komplette Parallelwelten gibt! Nicht nur Einzelhandel, Gastronomie, Ärzte oder Dienstleistungen in türkisch, arabisch oder bulgarisch. Sondern inzwischen ganze Stadtvierteil mit Fremdprägung, in denen du als Zuwanderer kein Wort Deutsch mehr benötigst und für Eingeborene die Regeln des Zusammenlebens - ob ungeschrieben oder gar gesetzlich geregelt - einfach nicht mehr gelten. Es gibt keine gemeinsamen Nenner mehr, auf die man sich einigen könnte. Es gibt keine zentrale Kultur mehr, in die man sich intergrieren könnte - und auch keine neue, gemeinsame Kultur, auf die man sich einigen könnte, denn die meisten der Zuwanderer wollen nur ihre eigene leben und durchsetzen. Ihre Werte stehen oft im völligen Gegensatz zu dem, was in unserem Land als 'nicht verhandelbar' gepflegt wird.

Neue Sitten und Gebräuche

Sie kommen, weil es hier ein Mehr an Einkommen, Gesundheitsleistungen und Bildung geschenkt gibt, als sie daheim überhaupt erarbeiten könnten. Sehr oft können sie nicht mal lesen oder schreiben und zeigen auch kein Interesse, das zu lernen. Dabei verstehe ich die Motivation der Menschen, die kommen, aber nicht unsere Politiker in Europa, die durch unsagbar schlechtes, politisches Handwerk nicht nur mein Zuhause zerstören! Sondern, früher oder später, das ganze Land, die Gesellschaft insgesamt und alles das, was unsere Vorfahren nach dem Krieg aufgebaut haben, vernichten! Die Politik scheint eine völlig andere Agenda zu haben als das, auf welches sie einen Eid geschworen haben.

Obwohl das Ruhrgebiet immer ein ethnischer und kultureller Schmelztiegel war, obwohl durchaus Menschen vieler Nationen auch heute noch fast nahtlos ankommen und integriert werden, will die Politik die Fehler weder eingestehen, noch korrigieren. Stattdessen werden Kritiker (wie ich) als Nazis gebrandmarkt und Parteien, die den rosa Elefanten im Raum erwähnen, als Rechtspopulisten eingeordnet. Niemand ist bereit, aus der kulturellen und intellektuellen Kakophonie des Grauens einen Chor zu machen. Stattdessen wird das Chaos als "Multikulturell" oder gar "bunt" geframt. Man muss nur eine Stunde durch Essen, Duisburg, Dortmung oder Gelsenkirchen gehen, um den absoluten Hohn dieses linksgrünen Narrativs zu entlarven. Oder sein Kind auf eine der entsprechenden Schulen schicken...

Vergammelte Straßen der Stadt

Weil die demographische Entwicklung so ist, wie sie ist, sehe ich da keine Zukunft für das Ruhrgebiet in der Form, in der es mein Zuhause war und ich es liebe! Hier sind Menschen Generationen lang hin gekommen, um zu arbeiten. Nichts ist mehr mit dem sympathischen Teil der Ruhrpottseele verbunden, als die Maloche und der Feierabend. Die Pflichterfüllung vor dem Müßiggang. "Wer saufen kann, kann auch arbeiten" - Das ist die Identität eines Ruhris, die Zusammenhalt und Augenhöhe schafft. Wie die meisten hier habe ich nichts geerbt oder geschenkt bekommen, schon als Schüler für meine LP's und Diskobesuche bei McDonalds geschuftet. Für Hifi-Anlage und Führerschein habe ich in die ganzen Sommerferien in der Metallfabrik malocht. Nach dem Zivildienst gleich eine Ausbildung mit Studium gemacht - und danach jeden Tag gearbeitet. Seit über 40 Jahren.

Ich verstehe die Menschen, vor allem junge, die hier oder in Deutschland insgesamt keine Zukunft mehr sehen. Generationen konnten mit dem Ziel "meinen Kindern soll es mal besser gehen" in eine gute Zukunft schauen. Heute sind die Schulen dysfunktional, die Straßen löchrig, die Brücken marode. Schwimmbäder werden geschlossen, Kirchen abgerissen. Verbindende Werte einer gemeinsamen Leitkultur gibt es nicht mehr. Deshalb ist es naheliegend, weiter zu ziehen - dorthin, wo es Besseres verspricht! Ich habe durchaus eine Zeit lang selbst darüber nachgedacht.

Aber jetzt nicht mehr. Ich gehe nicht mehr weg. Ich bleibe!

Das Ruhrgebiet ist mein Zuhause. Warum soll ich meine überschaubare Zeit in einer Gegend verbringen, die ich gar nicht mag? Bei permanenten 30 Grad und mehr, gleißender Dauersonne oder schwülem Ekelklima? Unter Menschen, die meine Sprache nicht sprechen, meine Werte nicht teilen, über meinen Humor nicht lachen können? Fern von den verbliebenen Freunden, der Familie und in der Nähe von Nachbarn, für die ich ein Fremder bin?

Nein. Das mache ich nicht! Ich werde kämpfen für einen Erhalt meines Zuhauses, meines Landes, meiner Kultur. Wahrscheinlich werde ich den Kampf verlieren, aber dann ist mein Lebensweg am Ende konsistent und logisch. Dann sterbe ich mit der Kultur, mit der Erinnerung an die grandiose Zeit, die ich erleben durfte - die 70er, 80er und alles Gute, was danach noch kam!

#Auswandern#Heimat#Migration#Ruhrgebiet#Zuhause

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