Wenn wir betonen, dass der Mensch einen Körper hat [1], und wir
festgestellt haben, dass dieser unser Körper spezifische Bezogeheit auf
die Welt bedeutet, müssen wir uns näher mit diesem Körper beschäftigen.
Wir sind Wirbeltiere und teilen damit ihr Verhalten, wird eine Appetenz
Handlung unterbrochen, haben wir Frust, wie der Frosch Frust hat.
Wie alle Säugetiere gehören wir in die Klasse der K-Strategen.[2]
Einfach gesagt hängt das längerfristige Überleben und der
Repoduktionserfolg des Nachwuchs weitestgehend von der elterlichen
Fürsorgekompetenz ab.
Und so lohnt sich der Blick auf die Primaten, zu denen wir auch gehören.
Aus der Ferne und über den Daumen kann man leicht feststellen, dass
diese Gruppe in zwei grobe Klassen fallen, die über ein phänotypisches
Merkmal unterscheidbar sind. Dieses Merkmal ist der sog.
“Sexualdimorphismus”, [3] der im Großen und Ganzen den Unterschied
zwischen den geschlechtsreifen männlichen und weiblichen Individuen
derselben Art, die nicht auf die primären Geschlechtsorgane bezogen ist,
bezeichnet.
Bei den Primaten gibt es eine Gruppe mit einem hohen Sexualdimorphismus,
hierunter fallen die Gorillas, Mandrills oder Orang-Utans, sowie die
Gruppe der Primaten, die einen sehr niedrigen Sexualdimorphismus
aufweisen: Gibbons, Bonobos, Marmosetten usw.. Der Physiologische
Unterschied in den Geschlechtern führt zu einer Unterschiedlichkeit im
Verhalten und auch hier ist das empirische Schema relativ eingängig und
deutlich.
Für Primaten mit einem hohen Sexualdimorphismus gilt, dass ~5% der
Männchen für 95% des Nachwuchs verantwortlich sind.[4] Es sind die
Alphamännchen in der Gruppe die den Zugang zu den Weibchen
kontrollieren, nun ist Alphamännchen sein eine erschöpfende
Angelegenheit, es gilt diese 5% Nachwuchs der anderen zu verhindern, es
gilt jede Herausforderung der anderen Männchen siegreich zu beantworten
und diese in ihre Schranken zu weisen. Alles während man versucht, so
viel Nachwuchs wie irgend möglich zu zeugen, denn Alphamännchen ist man
nicht für lange. Da bleibt kein Platz für die Erziehung. Keine
Aufmerksamkeit für die Brutpflege. Meist sterben sie früh, werden von
einem anderen Männchen bezwungen, und werden ausgestoßen. Kompetitive
Gruppen sind ein hartes Brot. Sie bestehen primär aus traumatisierten
Personen.
Das Alphamännchen: Zwar ist es das Männchen mit dem Zugang zu den
Weibchen und in der Hierarchie an der Spitze, aber einsam ist es da. Die
Anderen, die Betamännchen, jedes trachtet danach selbst Alphamännchen zu
sein. Wartet auf einen Moment für seine “Palastrevolution”. Koalitionen
werden geschmiedet, Zusammenarbeit, soziale Interaktion reduziert sich
am Ende immer auf die Generierung von Vorteilen. Männliche Banden [5]:
Fry, I’m an 80s guy. Friendship to me means that for 2 bucks I’d beat you with a pool cue until you got detached retinas. [6]
Diese Alphamännchen sind auch Kindermörder, sie morden die Kinder der vorherigen Alphamännchen, denn die Weibchen werden nicht schwanger sonst. Eine einfache und brutale Lösung, die notwendig ist, wenn die Aufzucht Zeit der Kinder länger als die Herrschaftszeit des Alphamännchen ist[7]. Individuelle Selektion ist das Stichwort. Die Berggorillas, es gibt nicht mehr Viele und sie werden in ein oder zwei Jahrzehnten unweigerlich aussterben, denn von Zeit zu Zeit wird ein männlicher Berggorilla systematisch die Jungtiere in einer Gruppe töten. [8] Ein schönes Beispiel, dass die Individuen sich nicht zum Wohle der Art oder der Gruppe verhalten.
Furuichi et al. (1998) showed that infant mortality is higher in chimpanzees than in bonobos and suggested that an important driver of this difference may relate to species differences in infanticide: both intra- and intercommunity infanticide occur across chimpanzee subspecies but do not appear to occur among bonobos (Hohmann, Vigilant, Mundry, Behringer, & Surbeck, 2019).[9]
Für die Weibchen in der Gruppe sieht es nicht viel besser aus. Sie sind
mit den Kindern allein, immer in der Gefahr das diese Kinder erschlagen
werden von dem nächsten Alpha Tier, müssen herhalten für das alpha
Männchen, sind, unbeobachtet von diesem, Ziel von beta Männchen und
ihren nicht immer höflichen annäherungs versuchen. Eine traumatisierte
Gesellschaft mit Gewalt und Leid als Mittelpunkt.
Da fühlen sich kooperative Gesellschaften, wie sie Gibbons, Marmosetten
oder Bonobos praktizieren, deutlich attraktiver, d.h. weniger
traumatisierend, an. Hier haben ~80% der Männchen Nachkommen sie kümmern
sich gemeinsam um ihren Nachwuchs ihre Gesellschaftlichen Interaktionen
sind weniger von Gewalt geprägt.
Sie sind auch freundlicher zu Fremden:
The aid that bonobos explicitly provided the unfamiliar recipient in obtaining food is consistent with common definitions of proactive prosociality, while contagious yawning suggests their xenophilia is not completely under voluntary control and is present even when there is zero familiarity.[10]
Der Schlüssel scheint das Verhalten der Weibchen zu sein:
In the case of bonobos, strong female alliances and sexual selection against male aggression likely removed the threat of lethal intergroup aggression that drives chimpanzee xenophobiac[11]
Diese Beobachtung wird von der netten Geschichte R. Spacholky gestützt, nach der, in einer von ihm betreuten Pavian Grupe eine Kuturelle wende einkehrte
… and this is an okay word to use, they developed a social culture that had much less aggression much more social affiliation[12]
nach dem die schlimmsten der Männlichen Gruppen Mittglieder mit einem male aus der Gruppe entfernt wurden, sie starben an Tuberkulose.
… where it wound up half the males in the troop died of tuberculosis and it wasn’t random which half it was the males who were most aggressive and least socially affiliative and this left you with a troop that was female dominated and much nicer male baboons[13]
Hier kann man sich an das Senario aus “Gewalt ist eine ansteckende Kankheit” errinern fühlen. Und auch hier ist der Wandel beständig:
… didn’t look at them for a decade but coming back yeah they were still like that but it was new males by then male baboons grow up someplace else leave their home troop at puberty and transfer into this new one and over this decade they were being repopulated by Young jerk male baboons who had grown up out in the big bad normal baboon world and they showed up and somehow it took about six months for them to learn we don’t do stuff like that here[14]
Wir Menschen fallen phänptypisch in die erste Gruppe[15], unsere
Männchen sind klar körperlich unterscheidbar von unseren Weibchen,
quantitativ schlägt es sich z.B. beim Gewichtheben nieder[16] aber auch
in der Anzahl der Gefängnisinsasse, wo das Verhältnis ungefähr bei 1:20
-relativ konstant über die längste Zeit- liegt. ~5% aller
Gefängnisinsasse sind Frauen [17], so beschrieben ist die Tendenz
deutlich und deckt sich hervorragend mit unsere Vorstellung von den
Primaten die wir über die Zeit entwickeln konnten und hier im ersten
Abschnitt niedergelegt haben.
Und doch, wir Menschen liegen in Wahrheit dazwischen, denn,
wiedererwartend zum trend neigt der Männliche Mensch zur verantwortung
gegenüber seinen Kindern, und viele Menschen leben in
zweierverbindungen, zumindest temporär, um die Aufzucht des Nachwuchses
zu gewährleisten.
Wir können uns entscheiden, wir können die Traumata der Vergangeneit
wiederholen, um sie päsent und am Leben zu halten, auf ewig verdammt in
der Wiederholung, oder wir können sie hinter uns lassen.
Das ist was die meisten wollen, je mehr sie sich die “wahren
Schverhalte” klar gemacht haben.
Vor die einfache Frage gestellt, nach einem Leben in Leid und Trauma,
oder einem freudvollen leben in einer Gemeinschaft, da ist die Antwort
nicht schwer.
Bildung, Bundeszentrale für politische Strafgefangene und Sicherungsverwahrte, https://www.bpb.de/kurz-knapp/zahlen-und-fakten/soziale-situation-in-deutschland/61800/strafgefangene-und-sicherungsverwahrte/.
Cassini, Marcelo H. (2020): Sexual size dimorphism and sexual selection in primates, in: Mammal Review, 50,3, 2020, S. 231–239, https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1111/mam.12191.
Lee, Sean M., Murray, Carson M., Lonsdorf, Elizabeth V., Fruth, Barbara, Stanton, Margaret A., Nichols, Jennifer, Hohmann, Gottfried (2020): Wild bonobo and chimpanzee females exhibit broadly similar patterns of behavioral maturation but some evidence for divergence, in: American Journal of Physical Anthropology, 171,1, 2020, S. 100–109, https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1002/ajpa.23935.
Sapolsky, Robert (2010): 3. Behavioral Evolution II, 2010, https://www.youtube.com/watch?v=oKNAzl-XN4I.
——— (2010): 2. Behavioral Evolution II, 2010, https://www.youtube.com/watch?v=oKNAzl-XN4I.
——— (2024): PRIMITIVE: Care, Cruelty, Religion, & Reason in the Human Animal, 2024, https://www.youtube.com/watch?v=JNfHSfLrIVE.
Tan, Jingzhi, Ariely, Dan, Hare, Brian (2017): Bonobos respond prosocially toward members of other groups, in: Sci. Rep., 7,1, 2017, S. 14733, https://doi.org/10.1038/s41598-017-15320-w.
Wikipedia Sexualdimorphismus, https://de.wikipedia.org/wiki/Sexualdimorphismus.
——— Geschlechterunterschiede im Sport, https://de.wikipedia.org/wiki/Geschlechterunterschiede_im_Sport.
[1] vgl. das kartesische Subjekt und sein Bauchnabel
[2] KStrategie
[3] Wikipedia, Sexualdimorphismus, https://de.wikipedia.org/wiki/Sexualdimorphismus.
[4] Robert Sapolsky, 2. Behavioral Evolution II, 2010, https://www.youtube.com/watch?v=oKNAzl-XN4I ab 1:20:25
[5] Bande kommt von Binden und Bund
[6] Steve Castle,Futurama Season 3 Episode 21 “Future Stock” https://theinfosphere.org/Steve\_Castle#Quotes
[7] Robert Sapolsky, 3. Behavioral Evolution II, 2010, https://www.youtube.com/watch?v=oKNAzl-XN4I ab 15:49
[8] Sapolsky, ebd ab 17:47, ein nicht eingetretenes Szenario wie es scheint, hat sich Berggorilla bestand erholt in neuester Zeit
[9] Sean M. Lee, Carson M. Murray, Elizabeth V. Lonsdorf, u. a., Wild bonobo and chimpanzee females exhibit broadly similar patterns of behavioral maturation but some evidence for divergence, in: American Journal of Physical Anthropology, 171,1, 2020, S. 100–109, https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1002/ajpa.23935. Seite 3
[10] Jingzhi Tan, Dan Ariely, Brian Hare, Bonobos respond prosocially toward members of other groups, in: Sci. Rep., 7,1, 2017, S. 14733, https://doi.org/10.1038/s41598-017-15320-w. Seite 5
[11] Tan, Ariely, Hare, ebd. Seite 6
[12] Robert Sapolsky, PRIMITIVE: Care, Cruelty, Religion, & Reason in the Human Animal, 2024, https://www.youtube.com/watch?v=JNfHSfLrIVE ab 54:09m
[13] Sapolsky, ebd ab 53:48m
[14] Sapolsky, ebd ab 54:28m
[15] mit einem SSD von 1.19 Marcelo H. Cassini, Sexual size dimorphism and sexual selection in primates, in: Mammal Review, 50,3, 2020, S. 231–239, https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1111/mam.12191. Tabelle 1 Seite 4
[16] Wikipedia, Geschlechterunterschiede im Sport, https://de.wikipedia.org/wiki/Geschlechterunterschiede_im_Sport.
[17] Bundeszentrale für politische Bildung, Strafgefangene und Sicherungsverwahrte, https://www.bpb.de/kurz-knapp/zahlen-und-fakten/soziale-situation-in-deutschland/61800/strafgefangene-und-sicherungsverwahrte/ “Der Anteil der Männer lag dabei im Jahr 2019 bei 94 Prozent.”


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