Als ich diesen Artikel im Januar 2025 zum ersten Mal geschrieben habe, war die Antwort bequem: Quantencomputer, die Bitcoin gefährden, brauchen Millionen Qubits, sind 5 bis 20 Jahre entfernt, also kein Grund zur Sorge. Die Kernaussage von damals stimmt immer noch – Bitcoin ist nicht über Nacht erledigt. Die Zahlen dahinter haben sich 2026 aber so stark verschoben, dass ich den Artikel komplett neu geschrieben habe.
Zwei Studien in einem halben Jahr: Google kommt Ende März auf unter 500.000 Qubits und rund 9 Minuten pro Schlüssel. IonQ legt Anfang September nach: knapp 20.000 Qubits, dafür etwa 26 Tage pro Versuch. Gleichzeitig liegt mit BIP-360 der erste quantenfeste Adresstyp im offiziellen BIP-Repository, und es wird offen darüber gestritten, ob man nicht migrierte Coins einfrieren soll.
Einfach erklärt: Schloss, Schlüssel und Umschlag:
Stell dir deine Bitcoin in einem Tresor vor. Der private Schlüssel öffnet ihn, den hast nur du. Der öffentliche Schlüssel ist das Schloss daran. Heute kann niemand aus einem Schloss den passenden Schlüssel nachfeilen. Ein großer Quantencomputer könnte genau das. Bei den meisten Adressen (bc1q, 1…, 3…) sieht die Welt das Schloss aber gar nicht. Es steckt in einem verschlossenen Umschlag, und von außen ist nur ein Fingerabdruck davon zu sehen. Geöffnet wird der Umschlag erst, wenn du von der Adresse ausgibst.
- Taproot (bc1p): Das Schloss hängt von Anfang an offen sichtbar da.
- Wiederverwendete Adresse: Du hast schon einmal ausgegeben, der Umschlag ist offen, und es liegt trotzdem noch Geld drin.
- Frische Adresse, nie ausgegeben: Der Umschlag ist zu. Ein Dieb hat nichts, woran er feilen könnte. Die Faustregel daraus: Jede Adresse nur einmal benutzen, und was lange liegen soll, gehört hinter einen geschlossenen Umschlag.
Kurzfassung:
Stand heute: Kein existierender Quantencomputer kann einen Bitcoin-Schlüssel knacken. Die größten Maschinen haben rund 100 Qubits, gebraucht werden je nach Bauweise mindestens rund 20.000. Neu ist das Tempo: Vor Kurzem hieß es noch Millionen, und IonQ will eine Maschine dieser Größe schon 2028 bauen. Gefährdet sind Coins, deren Schloss schon offen sichtbar ist: die ältesten Bitcoin-Adressen (darunter Satoshis Coins), mehrfach benutzte Adressen und Taproot-Adressen (bc1p) – zusammen rund 6,9 Mio. BTC, gut ein Drittel des Bestands. Du selbst: jede Adresse nur einmal benutzen, deine Wallet nicht mit fremden Portfolio-Apps verbinden, keine Panik. Bitcoin selbst: Ein quantenfester Adresstyp ist in Arbeit. Die eigentliche Streitfrage ist, was mit Coins passiert, die nie umziehen.
Warum Quantencomputer für Bitcoin überhaupt ein Thema sind#
Bitcoin nutzt zwei Arten von Kryptographie, und nur eine davon ist in Gefahr.
- Signaturen (ECDSA und Schnorr auf der Kurve secp256k1): Damit beweist du, dass du über deine Coins verfügen darfst. Aus deinem privaten Schlüssel lässt sich der öffentliche Schlüssel leicht berechnen, umgekehrt ist das für heutige Computer unmöglich. Ein ausreichend großer Quantencomputer mit dem Shor-Algorithmus schafft genau diesen Rückweg. Wer deinen öffentlichen Schlüssel kennt, könnte dann den privaten ausrechnen und deine Coins ausgeben.
- Hashfunktionen (SHA-256, RIPEMD-160): Sie stecken im Proof-of-Work und in den meisten Adressen. Hier hilft Quantencomputern nur der Grover-Algorithmus, und der bringt lediglich einen quadratischen Vorteil: Aus einer Million Versuchen werden tausend. Das reicht nicht, um Mining zu übernehmen oder einen Hash umzukehren.
Der entscheidende Punkt ist also: Gefährdet ist ein Coin erst, wenn sein öffentlicher Schlüssel bekannt ist. Und genau da unterscheiden sich die Adresstypen erheblich.
Welche Coins wirklich gefährdet sind#
- ✗ Die ältesten Bitcoin-Adressen (P2PK) – In den ersten Bitcoin-Jahren wurde direkt an den öffentlichen Schlüssel gezahlt, ganz ohne Umschlag. Rund 1,7 Mio. BTC liegen so, darunter die geschätzt 1,1 Mio. BTC von Satoshi Nakamoto, verteilt auf rund 22.000 Adressen à 50 BTC.
- ✗ Wiederverwendete Adressen – Sobald du von einer Adresse aus bezahlst, steht ihr öffentlicher Schlüssel in der Blockchain. Liegt danach noch Guthaben darauf – oder kommt neues hinzu –, ist es dauerhaft exponiert. Börsen sind hier die größten Sünder.
- ✗ Taproot-Adressen (bc1p) – Taproot schreibt den öffentlichen Schlüssel (leicht abgewandelt) direkt in die Adresse, das Schloss hängt also offen da. Es ist ab dem Empfang sichtbar, nicht erst beim Ausgeben. Das war 2021 bewusst so entschieden – zugunsten von Effizienz und Privatsphäre.
- ✓ Unbenutzte SegWit- und Legacy-Adressen – Adressen, die mit bc1q, 1 oder 3 beginnen, enthalten nur einen Hash des Schlüssels, also den Fingerabdruck auf dem Umschlag. Solange du von ihnen nie ausgegeben hast, gibt es für einen Angreifer nichts zu rechnen.
Laut Google-Studie sind auf diese Weise rund 6,9 Mio. BTC exponiert, gut ein Drittel aller Bitcoin. Das klingt dramatisch, ist aber zum großen Teil eine Frage des Verhaltens: Wer seine Coins selbst verwahrt und für jeden Empfang eine neue Adresse nutzt, steht in der sicheren Kategorie.
Zwei Arten von Angriff#
Die Unterscheidung „langsam oder schnell" ist wichtig, weil die beiden Studien genau dort auseinanderliegen:
- Langzeit-Angriff: Der öffentliche Schlüssel liegt seit Wochen oder Jahren offen. Der Angreifer hat alle Zeit der Welt. Hier genügt auch eine Maschine, die 26 Tage rechnet.
- Mempool-Angriff: Du gibst Coins von einer bisher unbenutzten Adresse aus. Dein öffentlicher Schlüssel wird erst in diesem Moment sichtbar – in der unbestätigten Transaktion. Ein Angreifer müsste den privaten Schlüssel berechnen und eine konkurrierende Transaktion durchbringen, bevor der nächste Block deine bestätigt. Dafür bleiben im Schnitt 10 Minuten. Bildlich: Du öffnest den Umschlag, und der Dieb muss den Schlüssel nachfeilen, bevor du den Tresor wieder zumachst.
Die Studien von 2026 im Vergleich#
Die nächsten beiden Abschnitte gehen in die Technik: Qubit-Zahlen, Hardware-Ansätze, neue Signaturverfahren. Wenn du nur wissen willst, was du tun kannst, spring direkt zu Was du heute tun kannst.
- vor 2026 · Millionen Qubits – Frühere Schätzungen für Ionenfallen-Rechner lagen bei 1,2 bis 9,4 Mio. physischen Qubits. Das war die Grundlage für die beruhigende Einschätzung „frühestens in 20 Jahren“.
- Feb. 2026 · BIP-360 im BIP-Repository – Der erste quantenfeste Adresstyp P2MR wird als Entwurf ins offizielle Bitcoin-BIP-Repository aufgenommen.
- März 2026 · Google: unter 500.000 Qubits, ~9 Minuten – Google Quantum AI rechnet mit supraleitenden Qubits vor, dass ein Bitcoin-Schlüssel in Minuten fallen könnte – schnell genug für einen Mempool-Angriff.
- Apr. 2026 · BIP-361: Einfrieren als Vorschlag – Jameson Lopp und Mitautoren schlagen vor, nicht migrierte Coins nach einer Übergangsfrist ungültig zu machen.
- Sep. 2026 · IonQ: 19.397 Qubits, ~26 Tage – IonQ legt die erste vollständige Ressourcenschätzung für seine Ionenfallen-Architektur vor. Wenige Tage später stellt Ledger den Signatur-Entwurf SHRINCS vor.
Google (März 2026): groß und schnell#
Die Studie „Securing Elliptic Curve Cryptocurrencies against Quantum Vulnerabilities" stammt von neun Autoren, darunter Craig Gidney und Hartmut Neven von Google Quantum AI, Dan Boneh (Stanford) und Justin Drake (Ethereum Foundation). Ergebnis: Der Angriff auf secp256k1 braucht unter 1.450 logische Qubits. Logische Qubits sind die verlässlichen Recheneinheiten, die man aus vielen fehleranfälligen physischen Qubits zusammensetzt. Auf supraleitender Hardware mit heutiger Fehlerrate (0,1 %) entspricht das unter 500.000 physischen Qubits – rund zwanzigmal weniger als bisher angenommen.
Brisant ist die Laufzeit: Ein Teil der Rechnung hängt nur von der Kurve ab und lässt sich vorab erledigen. Taucht ein öffentlicher Schlüssel auf, bleiben rund 9 Minuten. Damit hätte der Angreifer nach Googles Rechnung eine Chance von etwa 41 %, eine Transaktion im Mempool abzufangen, bevor sie bestätigt wird.
Zum Vergleich: Googles aktueller Chip Willow hat 105 Qubits.
IonQ (September 2026): klein und langsam#
IonQ setzt auf Ionenfallen. Diese Qubits sind deutlich präziser, aber auch viel langsamer. Das Paper vom 4. September kommt auf 19.397 physische Qubits (1.457 logische) und rund 25,7 Tage pro Versuch. Jeder Versuch gelingt mit einer Wahrscheinlichkeit von 41 bis 63 %.
Zwei Einordnungen dazu:
- 26 Tage reichen nicht für einen Mempool-Angriff. Wer von einer frischen Adresse ausgibt, wäre vor dieser Maschine sicher. Für Langzeit-Angriffe auf offenliegende Schlüssel reicht sie dagegen völlig – ein Schlüssel pro Monat und Maschine, mehr Maschinen, mehr Schlüssel.
- Die Maschine existiert nicht. IonQs größtes System hat heute rund 100 Qubits. Die im Paper angesetzte Fehlerrate wurde an zwei Ionen gemessen, nicht an tausenden. Die eigene Roadmap nennt 10.000 physische Qubits für 2027 und 20.000 für 2028. Firmen-Roadmaps sind Absichtserklärungen, keine Liefertermine – aber man sollte sie nicht mehr als Science-Fiction abtun.
Was sich damit geändert hat: Vor zwei Jahren konnte man sagen „irgendwann in den 2040ern". Heute nennt Justin Drake eine Wahrscheinlichkeit von mindestens 10 %, dass bis 2032 ein Bitcoin-Schlüssel fällt. Das ist kein Grund zur Panik – aber ein guter Grund, dass die Migration jetzt vorbereitet wird und nicht erst, wenn es zu spät ist.
Wie Bitcoin quantenfest werden kann#
Die gute Nachricht vorweg: Bitcoin ist nicht statisch. Das Protokoll lässt sich per Soft Fork erweitern, so wie 2017 mit SegWit und 2021 mit Taproot. Die Migration besteht aus drei Schritten, und sie sind unterschiedlich weit.
1. Ein neuer Adresstyp: BIP-360 (P2MR)#
BIP-360 von Hunter Beast, Ethan Heilman und Isabel Foxen Duke führt Pay-to-Merkle-Root (P2MR) ein, Adressen beginnen mit bc1z. Technisch ist das Taproot ohne den „Key Path": Es gibt keinen öffentlichen Schlüssel in der Adresse mehr, nur noch einen Merkle-Baum aus Skripten, also einen Fingerabdruck der möglichen Ausgabebedingungen. Damit schützt P2MR sofort gegen Langzeit-Angriffe und schafft den Platz, an dem später quantenfeste Signaturen andocken können.
Status: Entwurf im BIP-Repository seit dem 11. Februar 2026, nicht aktiviert. Keine Wallet kann P2MR heute im Mainnet nutzen.
2. Neue Signaturen: SHRINCS#
Ein neuer Adresstyp allein reicht nicht – irgendwann muss auch die Signatur selbst quantenfest werden. Das ist die Aufgabe der Post-Quanten-Kryptographie. Der bisher ernsthafteste Entwurf dafür ist SHRINCS („Shrunken SPHINCS") von Jonas Nick, Ethan Heilman, Conduition und weiteren Autoren. Ledger-CTO Charles Guillemet hat ihn am 16. September ausführlich vorgestellt.
Der Ansatz ist konservativ im besten Sinne: SHRINCS baut nur auf SHA-256 auf, also auf derselben Hashfunktion, der Bitcoin ohnehin vertraut. Neue mathematische Annahmen, wie sie Gitter-Verfahren (ML-DSA) mitbringen, braucht es nicht. Der Preis:
| Größe | |
|---|---|
| Schnorr-Signatur heute | 64 Byte |
| SHRINCS, zustandsbehaftet | 548 – 4.619 Byte |
| SHRINCS, zustandslose Rückfalloption | 5.777 Byte |
Die Signaturen sind also zehn- bis hundertmal größer, Transaktionen werden entsprechend teurer. Dazu kommt ein Problem, das es bei Bitcoin bisher nicht gab: Der schlanke Modus benutzt Einmalschlüssel. Die Wallet muss mitzählen, welche davon schon verbraucht sind. Wird einer zweimal verwendet, kann ein Beobachter Signaturen fälschen. Stellst du deine Wallet aus der Seed-Phrase wieder her, fehlt dieser Zählerstand – dann bleibt nur der teure zustandslose Weg. Deine Coins verlierst du dadurch nicht, du zahlst nur mehr Gebühren.
Für Hardware-Wallets heißt das: Schlüsselerzeugung dauert auf heutigen Secure Elements Minuten, und zwei Geräte mit demselben Seed dürfen nicht unabhängig voneinander signieren. SHRINCS ist ein Entwurf ohne BIP-Nummer, der Sicherheitsbeweis steht noch aus.
Guillemets Fazit trifft es: Die Wahl des Signaturverfahrens ist vermutlich noch die einfachste Frage der ganzen Migration.
3. Die eigentliche Streitfrage: Was passiert mit Coins, die nie umziehen?#
Selbst wenn P2MR und SHRINCS morgen aktiviert würden: Rund 1,7 Mio. BTC in alten P2PK-Ausgaben werden sich nie bewegen. Die Schlüssel sind verloren, oder die Besitzer sind tot, oder es sind Satoshis Coins. Sobald ein Quantencomputer existiert, sind das die ersten Ziele.
BIP-361 (April 2026, Jameson Lopp und fünf Mitautoren) schlägt deshalb vor, diese Coins einzufrieren:
- Phase A (etwa 3 Jahre nach Aktivierung von BIP-360): Niemand darf mehr an angreifbare Adresstypen senden.
- Phase B (etwa 5 Jahre danach): Alte Signaturen werden ungültig. Nicht migrierte Coins sind eingefroren.
- Phase C (noch in Forschung): Wer nachweisen kann, dass er die zugehörige Seed-Phrase besitzt – per Zero-Knowledge-Beweis –, soll seine Coins zurückholen können.
Die Begründung klingt vernünftig: Lieber einfrieren, als zuzusehen, wie ein Quantenangreifer Satoshis Million abräumt und auf den Markt wirft.
Ich halte das trotzdem für den falschen Weg. Bitcoin hat eine einzige Eigentumsregel: Wer eine gültige Signatur liefert, verfügt über die Coins. BIP-361 ersetzt diese Regel durch eine Frist, nach der das Netzwerk entscheidet, welche Coins noch als Eigentum gelten. Wer in fünf Jahren keine Nachrichten liest, im Gefängnis sitzt, im Koma liegt oder seine Coins bewusst in einer Zeitkapsel für die Kinder vergraben hat, verliert. Das ist eine Enteignung per Konsensregel – und die erste ihrer Art. Ein Präzedenzfall, auf den sich später jeder berufen kann, der ganz andere Coins „aus Sicherheitsgründen" sperren möchte.
Entsprechend deutlich fällt die Ablehnung aus: Marty Bent (TFTC) und andere haben den Vorschlag rundweg zurückgewiesen, Investor Michael Terpin spricht von einer „Rutschbahn hin zu Erlaubnissen in einem erlaubnisfreien System". Es gibt Alternativen, die ohne Einfrieren auskommen, etwa Dan Robinsons PACTs: Besitzer hinterlegen heute schon einen privaten, zeitgestempelten Nachweis, mit dem sie ihre Coins später quantensicher beanspruchen können – ohne On-Chain-Transaktion.
Und am Ende gilt, was für jeden Soft Fork gilt: Niemand kann BIP-361 durchsetzen. Jede Node entscheidet selbst, welche Regeln sie prüft. Ohne breite Zustimmung von Nutzern, Börsen und Minern bleibt der Vorschlag Papier. Wer mitreden will, sollte eine eigene Node betreiben.
Was du heute tun kannst#
Die Grundregel steckt schon in der Umschlag-Erklärung oben: Halte deinen öffentlichen Schlüssel so lange verdeckt wie möglich.
1. Keine Adresse zweimal verwenden
Für jeden Empfang eine neue Adresse, denn Adress-Wiederverwendung legt deinen Schlüssel offen. Das machen alle modernen Wallets automatisch. Gibst du deine Adressen öffentlich weiter (Spendenseite, Rechnung), nutze stattdessen einen Mechanismus, der jedes Mal eine frische Adresse erzeugt, etwa BTCPay oder eine Lightning-Adresse. Das hilft übrigens auch deiner Privatsphäre.
2. Alte, schon benutzte Adressen leerräumen
Liegt noch Guthaben auf einer Adresse, von der du bereits ausgegeben hast, ist ihr öffentlicher Schlüssel bekannt. Schieb den Rest bei Gelegenheit auf eine frische Adresse deiner Wallet. Eile ist nicht geboten – aber es kostet heute wenig. Wie du dabei mit einzelnen Coins umgehst, steht im Artikel zum UTXO-Management.
3. Die xpub nicht herausgeben
Aus deinem erweiterten öffentlichen Schlüssel (xpub, zpub) lassen sich alle öffentlichen Schlüssel deiner Wallet berechnen – auch die der Adressen, die noch nie etwas empfangen haben. Wer seine xpub in eine fremde Portfolio-App oder einen Online-Dienst eingibt, hebt den Hash-Schutz für die ganze Wallet auf. Verbinde deine Wallet mit deiner eigenen Node statt mit fremden Servern.
4. Für langfristige Ersparnisse: bc1q statt bc1p
Richtest du heute eine Cold Storage ein, die jahrelang unberührt liegen soll, spricht beim aktuellen Stand wenig für Taproot (bc1p): Der Schlüssel ist dort ab dem ersten Satoshi sichtbar. Eine native SegWit-Wallet (bc1q) verbirgt ihn, bis du ausgibst.
Und bestehendes Taproot-Guthaben? Hektisch umziehen musst du nicht. Du hast zwei vernünftige Wege:
- Jetzt auf bc1q umschichten: Dein Schlüssel ist ab sofort wieder verdeckt. Dafür ziehst du später noch einmal um, sobald der quantenfeste Adresstyp P2MR aktiviert ist, zahlst also zweimal Gebühren. Lohnt sich bei größeren Beträgen, die jahrelang liegen sollen, am besten bei niedrigen Gebühren.
- Abwarten und direkt auf P2MR umziehen: Nur eine Transaktion, dafür liegt dein Schlüssel bis dahin offen. Vertretbar bei kleineren Beträgen, solange keine Maschine in Reichweite ist.
Beim Umschichten selbst verrätst du übrigens nichts Neues: Der Taproot-Schlüssel war ohnehin schon sichtbar, und die neue bc1q-Adresse bleibt verdeckt. Wichtig ist nur: bc1q verschafft dir Zeit, quantenfest ist es nicht. Sobald du von bc1q ausgibst, liegt der Schlüssel dort genauso offen.
5. Raus von der Börse
Börsen verwalten riesige Beträge oft auf wenigen, ständig wiederverwendeten Adressen – genau das, was ein Quantenangreifer zuerst ins Visier nimmt. Wer selbst verwahrt, kann selbst migrieren, sobald ein quantenfester Adresstyp verfügbar ist, und muss nicht darauf hoffen, dass ein Dienstleister rechtzeitig handelt.
Wo du selbst stehst, zeigt dir der Selbstverwahrungs-Check in zwei Minuten, von der Adress-Hygiene bis zur xpub.
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Fazit: Kein Grund zur Panik – aber auch keiner mehr zum Abwinken#
Die Antwort auf die Titelfrage meiner ersten Fassung bleibt: Nein, Quantencomputer zerstören Bitcoin nicht – zumindest nicht, wenn die Community ihre Hausaufgaben macht. Die Rechenmaschine, die einen Schlüssel knackt, gibt es heute nicht. Und wenn es sie gibt, sind Banken, TLS-Verschlüsselung und jede digitale Signatur der Welt genauso betroffen.
Was sich 2026 geändert hat, ist der Zeitrahmen. Aus „irgendwann" ist „vielleicht in diesem Jahrzehnt" geworden, und Bitcoin braucht für einen Soft Fork samt Migration erfahrungsgemäß viele Jahre. Die technischen Bausteine entstehen gerade. Die schwierigere Frage ist eine gesellschaftliche: ob Bitcoin bei seiner Eigentumsregel bleibt, auch wenn es unbequem wird. Ich hoffe, ja.
Für dich persönlich reicht solide Grundhygiene – und die schützt ganz nebenbei auch deine Privatsphäre.
Häufige Fragen#
Kann ein Quantencomputer heute Bitcoin knacken?
Nein. Die größten existierenden Quantencomputer haben rund 100 Qubits. Nach den aktuellsten Schätzungen braucht ein Angriff je nach Bauweise rund 20.000 bis 500.000 Qubits. Solche Maschinen gibt es noch nicht.
Sind meine Bitcoin auf einer Hardware-Wallet sicher?
Die Hardware-Wallet schützt deinen privaten Schlüssel vor Diebstahl, nicht vor Mathematik. Entscheidend ist, ob der öffentliche Schlüssel auf der Blockchain steht. Nutzt du für jeden Empfang eine neue bc1q-Adresse und hast von dieser Adresse noch nie ausgegeben, gibt es für einen Quantencomputer nichts anzugreifen.
Sind Taproot-Adressen unsicher?
Gegen heutige Angreifer nein. Gegen einen künftigen Quantencomputer sind sie verwundbarer als SegWit-Adressen, weil der öffentliche Schlüssel direkt in der Adresse steht. Für langfristige Ersparnisse ist bc1q deshalb derzeit die vorsichtigere Wahl.
Ist das Bitcoin-Mining durch Quantencomputer gefährdet?
Praktisch nicht. Mining beruht auf SHA-256, und hier bringen Quantencomputer nur einen quadratischen Vorteil (Grover-Algorithmus). Das ist gegen spezialisierte ASIC-Miner wirtschaftlich bedeutungslos.
Was passiert mit Satoshis Bitcoin?
Rund 1,1 Mio. BTC liegen in den ältesten Adressen (P2PK), deren öffentliche Schlüssel seit 2009 offenliegen. Sie wären ein frühes Ziel. Ob sie eingefroren werden (BIP-361) oder nicht, ist die umstrittenste Frage der ganzen Quanten-Debatte. Entschieden ist nichts.
Muss ich jetzt etwas tun?
Nicht hektisch. Vermeide Adress-Wiederverwendung, gib deine xpub nicht an fremde Dienste und schiebe Restguthaben von schon benutzten Adressen bei Gelegenheit auf frische. Sobald ein quantenfester Adresstyp aktiviert ist, ziehst du deine Coins dorthin um.
Ist deine Verwahrung zukunftsfest? Wir schauen gemeinsam auf deine Wallet-Struktur: welche Adresstypen du nutzt, wo Schlüssel offenliegen und wie du dich auf eine spätere Migration vorbereitest – ohne Panik und ohne unnötige Transaktionen.
Quellen: IonQ: Computing 256-bit elliptic curve discrete logarithms in 26 days (arXiv) · The Quantum Insider zur IonQ-Studie · PostQuantum: Einordnung der IonQ-Schätzung · Google Quantum AI: Securing Elliptic Curve Cryptocurrencies against Quantum Vulnerabilities (PDF) · CoinDesk zur Google-Studie · BIP-360: Pay-to-Merkle-Root · Ledger: SHRINCS und die Post-Quanten-Migration · TechTimes: Streit um BIP-361
Kein Anlagerat. Die Angaben zu Qubit-Zahlen und Laufzeiten sind Schätzungen aus Forschungsarbeiten, keine Messungen an existierender Hardware.
Dieser Artikel erschien zuerst auf bitcoinlighthouse.de – dort findest du auch unsere Bitcoin-Workshops in München.


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