Nunchuk ist die einfachste Art, ein 2-von-3-Multisig aufzusetzen: Die App läuft auf dem Handy und am Desktop, spricht per USB, NFC und QR-Code mit fast allen Hardware-Wallets und ist von Anfang an auf Multisig ausgelegt. Dieser Leitfaden führt dich einmal komplett durch – von der Einkaufsliste bis zur Wiederherstellung ohne Nunchuk. Wie Multisig grundsätzlich funktioniert und welche Apps es sonst gibt, steht in Multisignatur-Wallets. Wer lieber am Desktop mit voller Kontrolle arbeitet, nimmt den Leitfaden für Sparrow.
Was ist Multisig?#
Bei einem 2-von-3-Multisig brauchst du zwei von drei Schlüsseln, um Bitcoin auszugeben. Verlierst du einen Schlüssel, ist nichts verloren. Stiehlt ihn jemand, kann er damit nichts anfangen.
Jeder Schlüssel steckt in einem eigenen Hardware-Wallet und hat einen eigenen Seed (die 12 oder 24 Wörter). Dazu kommt ein Bauplan, der festhält, welche drei Schlüssel zusammengehören. Nunchuk speichert ihn als BSMS-Datei (Bitcoin Secure Multisig Setup, ein offener Standard nach BIP 129), andere Programme nennen ihn Deskriptor oder Wallet-Konfiguration. Ohne ihn findet keine Software deine Wallet wieder.
Multisig lohnt sich, wenn ein Totalverlust dein Leben verändern würde. Es schützt vor Fehlern eines einzelnen Geräts oder Herstellers – wie bei der Coldcard-Lücke oder den manipulierten Ledger-Geräten von 2026.
Und wenn ich bei einem Gerät bleibe?:
Für die meisten Einsteiger ist ein einzelnes Hardware-Wallet wie die BitBox02 weiterhin ein gutes Setup – direkt beim Hersteller gekauft und mit einer starken Passphrase. Gegen beide Vorfälle von 2026 hätte das geschützt: Der Coldcard-Fehler betraf nur Seeds, die auf einer Coldcard erzeugt wurden, und selbst dort hat eine starke Passphrase die Bestände weitgehend gerettet. Die manipulierten Ledger-Geräte kamen über einen Zwischenhändler, nicht aus dem Direktvertrieb. Eine hundertprozentige Garantie gibt es trotzdem nicht. Mit einem einzelnen Gerät vertraust du einem Hersteller – seiner Firmware, seinem Zufallsgenerator, seiner Lieferkette. Je höher der Betrag, desto mehr lohnt es sich, dieses Vertrauen auf mehrere Hersteller zu verteilen. Genau das macht Multisig.
Welche Rolle Nunchuk spielt#
Nunchuk ist hier nur der Koordinator: Die App kennt die drei öffentlichen Schlüssel, zeigt Guthaben und Adressen an und baut Transaktionen. Unterschreiben können nur die Hardware-Wallets. Die App selbst hält in diesem Setup keinen Schlüssel.
- Kein Konto nötig. Beim ersten Start „Continue as guest“ wählen. Dann gibt es keine Synchronisierung zwischen Geräten, für ein Multisig mit Hardware-Wallets brauchst du sie aber auch nicht.
- Kein Abo nötig. Die kostenpflichtigen Pakete (ein von Nunchuk verwahrter Schlüssel, Erbschaftsfunktionen) sind optional. Für ein selbst verwahrtes 2-von-3 brauchst du nichts davon.
- Keine Abhängigkeit. Die BSMS-Datei ist ein offener Standard. Verschwindet Nunchuk, importierst du sie in Sparrow und unterschreibst weiter wie gewohnt. Das testen wir in Schritt 5.
- Nur Englisch. Die App ist englischsprachig. Die Beschriftungen unten stehen deshalb im Original und können sich mit neuen Versionen leicht ändern.
Einkaufsliste#
| Was | Wofür | Worauf achten |
|---|---|---|
| 3 Hardware-Wallets | je ein Schlüssel | von mindestens zwei, besser drei Herstellern; nur direkt beim Hersteller kaufen, nie über Marktplätze oder gebraucht |
| Nunchuk-App | verbindet die drei Schlüssel zu einer Wallet | nur aus dem offiziellen App-Store bzw. von nunchuk.io |
| Handy oder Rechner | Nunchuk ausführen | aktuelles System; am Handy laufen Geräte per QR-Code oder NFC, reine USB-Geräte (z. B. BitBox02) bindest du am Desktop an |
| 3 Seed-Karten oder Metallplatten | Seeds sichern | eine pro Gerät, klar beschriften (A, B, C) |
| Drucker ohne Netzwerk | BSMS-Datei ausdrucken | per USB anschließen, WLAN aus |
| 3 Umschläge | Seed und Konfiguration zusammen lagern | einer pro Lagerort |
| ca. 30 € in Bitcoin | Testlauf | reicht für Empfangen, mehrere Testzahlungen samt Gebühren und Wiederherstellen |
Gut geeignet sind Geräte, die Multisig-Wallets selbst registrieren und anzeigen können, etwa BitBox02, Coldcard oder Jade. Ein SeedSigner als einer der drei Schlüssel bringt eine komplett andere Lieferkette ins Setup.
Schritt 1: Geräte einrichten und Seeds sichern#
Richte jedes Gerät einzeln ein, als wäre es eine normale Wallet. Erst danach kommt Nunchuk ins Spiel.
1. Auf Manipulation prüfen
Gerät auspacken und Siegel, Gehäuse und Verpackung ansehen. Bei Zweifeln nicht verwenden.
2. Neuen Seed erzeugen
Gerät neu einrichten und einen neuen Seed erzeugen lassen. Nie einen Seed verwenden, der schon auf dem Gerät war oder beiliegt. Wer dem Zufallsgenerator des Herstellers nicht blind vertrauen will, steuert eigene Würfelwürfe bei.
3. Von Hand aufschreiben und beschriften
Die Wörter von Hand auf die Seed-Karte schreiben – nie fotografieren, abtippen oder ausdrucken. Karte und Gerät mit demselben Buchstaben beschriften (A, B oder C).
4. Kontrollieren
Die Wörter mit der Kontrollfunktion des Geräts prüfen. Dann dasselbe für die beiden anderen Geräte.
Keine zusätzliche Passphrase setzen. Ihren Schutz übernimmt hier schon das Multisig: Ein einzelner gefundener Seed reicht nicht. Jede Passphrase wäre nur ein weiteres Geheimnis, das verloren gehen kann.
Schritt 2: Die drei Schlüssel in Nunchuk hinzufügen#
Jedes Gerät gibt dabei nur seinen öffentlichen Schlüssel (xpub) heraus. Die Seeds bleiben auf den Geräten.
1. Nunchuk starten
App installieren, öffnen und „Continue as guest“ wählen.
2. Schlüssel hinzufügen
Im Bereich Keys auf „+“ bzw. „Add key“ tippen und den Gerätetyp auswählen. Nunchuk zeigt dann an, wie das Gerät seinen Schlüssel übergibt: per QR-Code (z. B. Jade, SeedSigner, Passport), per NFC oder Datei (z. B. Coldcard) oder per USB am Desktop (z. B. BitBox02, Trezor).
3. Den richtigen Schlüssel wählen
Fragt das Gerät, welchen Schlüssel es exportieren soll, den für Multisig wählen (Native Segwit, Pfad m/48'/0'/0'/2') – nicht den Single-Sig-Schlüssel.
4. Benennen
Jeden Schlüssel nach seinem Buchstaben benennen („A – BitBox“, „B – Jade“, „C – Coldcard“) und den angezeigten Fingerprint auf der jeweiligen Seed-Karte notieren. So erkennst du später sicher, welcher Schlüssel welcher ist.
Schritt 3: Die Multisig-Wallet anlegen#
1. Neue Wallet
Im Bereich Wallets auf „+“ tippen und „Custom wallet“ wählen. Die übrigen Vorlagen auf diesem Bildschirm (Assisted, Hot Wallet, Erbschaft …) brauchst du nicht.
2. Name und Adresstyp
Namen vergeben und als Address type „Native Segwit“ wählen. Taproot-Multisig ist günstiger und privater, aber noch jung – für Ersparnisse bleib beim erprobten Standard.
3. Schlüssel auswählen
Alle drei Schlüssel anhaken und Required auf 2 stellen. Prüfen, dass jedes Gerät genau einmal vorkommt.
4. Erstellen
Zusammenfassung prüfen und „Create wallet“ tippen.
Schritt 4: BSMS-Datei sichern und Wallet registrieren#
Direkt nach dem Anlegen bietet Nunchuk an, die Wallet-Konfiguration zu sichern („Save BSMS file“). Mach das sofort. Später findest du sie in der Wallet unter View wallet config und dort im Menü oben rechts über den Export der Wallet-Konfiguration.
Ohne diese Datei reichen zwei Seeds nicht, um die Wallet wiederherzustellen: Die Software braucht alle drei öffentlichen Schlüssel, und den dritten kann sie aus zwei Seeds nicht ableiten.
- Was sie kann: Sie zeigt alle Adressen, das Guthaben und jede künftige Transaktion.
- Was sie nicht kann: Sie kann kein Geld ausgeben. Dafür braucht es zwei Schlüssel.
- Daraus folgt: diskret aufbewahren, aber nicht so geheim wie einen Seed.
Drucke den Inhalt dreimal aus (es ist eine kurze Textdatei) und lege je eine Kopie zu jedem Seed. Eine zusätzliche digitale Kopie im Passwortmanager ist in Ordnung, ersetzt aber nicht die Papierkopien. Nie zusammen mit Seeds digital ablegen.
Danach muss jedes Gerät die Multisig-Wallet einmal registrieren. Nunchuk weist dich darauf hin und bietet den passenden Weg an – bei der Coldcard etwa „Export wallet to COLDCARD“ per NFC oder Datei, bei der Jade per QR-Code, bei der BitBox02 per USB. Prüfe auf dem Gerät die angezeigten Daten (2 von 3, die drei Fingerprints) und bestätige. Erst ein registriertes Gerät kann selbst nachprüfen, ob Empfangs- und Wechselgeld-Adressen wirklich zu deiner Wallet gehören, statt dem Handy blind zu glauben.
Schritt 5: Testen, bevor echtes Geld drauf kommt#
1. Empfangen
In der Wallet auf Receive tippen und eine Adresse erzeugen. Auf jedem Gerät anzeigen lassen und prüfen, dass sie überall gleich ist. Dann den kleinen Betrag senden.
2. Ausgeben
Auf Send tippen, eine Transaktion an dich selbst bauen. Nunchuk listet die drei Schlüssel mit je einem „Sign“-Knopf. Mit Gerät A unterschreiben, dann mit Gerät B – bei QR-Geräten scannst du die Transaktion mit dem Gerät und danach dessen Unterschrift zurück in die App („Import signature“). Erst nach zwei Unterschriften lässt sie sich senden („Broadcast“).
3. Die anderen Paare testen
Dasselbe mit B und C, dann mit A und C. So weißt du, dass jedes Gerät funktioniert.
4. Ohne Nunchuk wiederherstellen
Der wichtigste Test: Sparrow am Rechner öffnen, File → Import Wallet → BSMS und die gesicherte Datei einlesen. Das Guthaben muss erscheinen, und eine Transaktion muss sich auch dort mit zwei Geräten unterschreiben lassen. Damit ist bewiesen, dass du von der App unabhängig bist.
5. Ernstfall üben
Ein Gerät zurücksetzen, seinen Seed von der Karte neu eingeben, die Multisig-Wallet erneut registrieren und noch einmal signieren. Damit ist geprüft, dass die Karte stimmt.
Schritt 6: Aufbewahrung an drei Orten#
Jeder Ort bekommt genau einen Seed plus eine Kopie der Konfiguration. So reichen zwei beliebige Orte zum Wiederherstellen, und ein einzelner Ort verrät nie genug zum Stehlen.
| Ort | Inhalt | Beispiel |
|---|---|---|
| 1 | Seed A + Konfiguration (+ Gerät A) | zu Hause, gut versteckt |
| 2 | Seed B + Konfiguration (+ Gerät B) | Bankschließfach |
| 3 | Seed C + Konfiguration (+ Gerät C) | Vertrauensperson oder zweite Wohnung |
Nie zwei Seeds am selben Ort, auch nicht kurzzeitig. Und bedenke: Auch ein Gerät ist ein Schlüssel, nur durch die PIN geschützt. Am saubersten liegt jedes Gerät bei seinem eigenen Seed.
Das Handy mit Nunchuk ist dagegen kein Schlüssel. Geht es verloren, sieht der Finder im schlimmsten Fall dein Guthaben – stehlen kann er nichts. Schütze die App trotzdem mit PIN oder Biometrie, die Nunchuk in den Einstellungen anbietet.
Ernstfall#
Fällt ein Schlüssel weg, hast du noch zwei und damit vollen Zugriff. Nutze das, um zügig auf eine neue Multisig-Wallet umzuziehen.
| Was passiert ist | Was zu tun ist |
|---|---|
| Handy verloren oder Nunchuk weg | Nunchuk neu installieren oder Sparrow nehmen, BSMS-Datei importieren, weiter wie bisher |
| Ein Gerät kaputt, Seed noch da | Seed in ein neues Gerät eingeben, Multisig-Wallet darauf registrieren, weiter wie bisher |
| Ein Seed verloren oder womöglich gesehen worden – oder ein Gerät gestohlen | Neue 2-von-3-Wallet mit neuem drittem Schlüssel anlegen, alles mit den zwei verbliebenen Schlüsseln dorthin senden, neue BSMS-Datei an allen drei Orten ablegen |
| Konfigurations-Kopie verloren | Neu ausdrucken; sie liegt an zwei anderen Orten noch vor |
| Zwei Schlüssel gleichzeitig weg (Seed und Gerät) | Das Geld ist verloren – darum nie zwei Seeds an einem Ort |
Für den Erbfall: Lege an jedem Ort eine kurze Anleitung bei, was das ist und wie man es wiederherstellt, ohne Seeds darin zu nennen. Erben sollten wissen, dass es diese Orte gibt, und eine Vertrauensperson kennen, die sich mit Bitcoin auskennt. Wie so ein Notfallplan aussieht, steht in Bitcoin vererben.
Die häufigsten Fehler#
- BSMS-Datei nicht gesichert: Zwei Seeds allein reichen nicht. Ohne Konfiguration wird die Wiederherstellung mühsam oder scheitert.
- Sich auf das Handy verlassen: Die Konfiguration liegt in der App – bis das Handy weg ist. Nur der Ausdruck zählt.
- Single-Sig-Schlüssel exportiert: Wer beim Hinzufügen den falschen Schlüssel des Geräts wählt, bekommt Fehlermeldungen beim Registrieren oder Unterschreiben. Immer den Multisig-Schlüssel nehmen.
- Zwei Seeds am selben Ort: Dann ist Multisig wertlos, ein Einbruch genügt.
- Drei Geräte vom selben Hersteller: Ein Herstellerfehler trifft dann alle drei Schlüssel.
- Handy-Schlüssel statt Hardware-Wallet: Nunchuk kann auch einen Schlüssel auf dem Handy erzeugen. Für Ersparnisse gehört jeder der drei Schlüssel auf ein eigenes Gerät.
- Nicht getestet: Erst der Wiederherstellungstest in Sparrow zeigt, ob deine Sicherung wirklich funktioniert.
Checkliste#
Erst wenn alles abgehakt ist, kommt der große Betrag auf die Wallet.
- 3 Hardware-Wallets von mindestens 2 Herstellern, direkt beim Hersteller gekauft
- 3 Seeds von Hand notiert, beschriftet (A, B, C) und am Gerät kontrolliert
- Nunchuk als Gast eingerichtet, drei Multisig-Schlüssel hinzugefügt, Fingerprints notiert
- 2-von-3-Wallet mit „Native Segwit“ angelegt, jedes Gerät genau einmal
- BSMS-Datei gespeichert und dreimal ausgedruckt
- Multisig-Wallet auf allen drei Geräten registriert
- Empfangsadresse auf allen drei Geräten verglichen
- Ausgeben mit allen drei Gerätepaaren getestet
- Wallet in Sparrow aus der BSMS-Datei wiederhergestellt
- Ein Gerät aus seinem Seed wiederhergestellt
- Je ein Seed plus Konfiguration an drei getrennten Orten
- Anleitung für Erben beigelegt, Vertrauensperson informiert
Lesen ist das eine, ein Multisig zum ersten Mal selbst aufzusetzen das andere – vor allem, wenn echte Beträge daran hängen. Wenn du dabei jemanden neben dir haben willst: Im kostenlosen Erstgespräch schauen wir, welches Setup zu dir passt, und bei der Multisig-Einrichtung richten wir es gemeinsam Schritt für Schritt ein – mit Geräten deiner Wahl, Wiederherstellungstest inklusive. Einmal bezahlt, kein Abo, und wir verwahren keinen deiner Schlüssel.
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Dieser Artikel erschien zuerst auf bitcoinlighthouse.de – dort findest du auch unsere Bitcoin-Workshops in München.


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