von Wadrema
Das unangenehme Wort mit drei Buchstaben#
Ich.
Da steht es. Ganz allein. Am Anfang eines Satzes. Und ehrlich? Es fühlt sich seltsam an.
Ich frage mich manchmal, warum ich jeden Satz mit diesem Wort beginnen muss. Warum ich bei mir anfangen soll. Warum ich zuerst komme. Da ist dieses Unbehagen – als wäre es etwas Unanständiges, sich selbst an die erste Stelle zu setzen, besonders wenn es darum geht, produktiv zu schreiben, etwas zu erschaffen, das andere lesen sollen. Als müsste man sich entschuldigen, bevor man überhaupt anfängt.
Dann schaue ich nach draussen. Ich sehe Raben auf der Strasse. Sie picken im Müll, versauen den ganzen Gehweg, krächzen um die Wette – aber Hauptsache, sie werden satt. Sie stellen sich nicht in den Mittelpunkt. Sie fressen einfach, was übrig bleibt.
Und doch – diese Raben sind intelligent. Verdammt intelligent. Sie lassen Nüsse von grosser Höhe auf die Strasse fallen, damit Autos sie knacken. Sie merken sich Gesichter. Sie planen. Sie wissen, wie sie sich nähren können. Und trotzdem geben sie sich oft mit dem zufrieden, was andere übrig lassen.
Warum tun wir Menschen das dann erst recht? Warum geben wir uns diesem Trieb hin – dem Trieb, der von aussen auf uns wirkt? Dem Dopamin, für das wir niemandem die Schuld geben müssen, weil wir es uns ja selbst gesucht haben?
Ich glaube, wir sollten es nicht.
Ich erlebe Tag für Tag, dass der unerschütterlichste Mehrwert von einem selbst ausgeht. Von innen. Nicht von aussen, nicht von dem, was andere über mich denken, nicht von dem, was andere von mir wollen. Sondern von dem, was in mir ist. Und genau das fange ich gerade an zu lernen – mich selbst in den Vordergrund zu stellen. Nicht aus Arroganz. Sondern weil alle wahre Schöpfung von innen beginnt.
Alles, was von mir aus kommt – von innen aus – kann zu wahren Gefühlen, ehrlichen Texten und wertvollen Schriften werden. Aber dafür muss ich bereit sein, dieses eine, unangenehme Wort an den Anfang zu setzen.
Ich.
Die unsichtbare Sucht#
#
Vor einiger Zeit habe ich aufgehört zu spielen. Ich werde nicht sagen, dass ich süchtig war – denn ich bin es nicht mehr. Aber ich kenne das Muster. Und das Muster ist tückischer, als man denkt. Dieses Muster gilt es kennenzulernen. Mein bester Tipp dafür: Schreib es auf. Nicht die grossen Erkenntnisse – sondern die kleinen Momente, in denen du ertappt wirst. Wenn du zum Kaffee greifst, obwohl du nicht müde bist. Wenn du scrollst, obwohl du eigentlich schreiben willst. Wenn du jemandem helfen willst, obwohl du selbst am Boden liegst. Das Muster zeigt sich nicht im Denken. Es zeigt sich im Tun.
Denn hier ist die Sache, über die niemand spricht: Wenn du eine Sucht aufgibst, verschwindet der Drang nicht. Er verlagert sich. Dein Geist sucht konstant nach Fluchtwegen. Wegen, die noch nicht da sind. Wegen, die kaum erkennbar sind. Und plötzlich ertappst du dich dabei, wie du deine eigentlichen Probleme mit Essen betäubst. Mit Kaffee. Mit Schlaf. Mit Kaufen. Mit dem endlosen Scrollen durch Bildschirme, die dir nichts geben, aber dir das Gefühl vermitteln, beschäftigt zu sein.
Bei mir war es die Helfer-Sucht.
Ich wurde süchtig danach, die Probleme anderer Menschen lösen zu wollen. Und das klingt erstmal edel, oder? Fast schon heldenhaft. Aber es war eine Flucht. Eine wunderschön verpackte Flucht vor meinen eigenen Baustellen. Denn solange ich mich um jemand anderen kümmere, muss ich mich nicht mit dem auseinandersetzen, was in meinem eigenen Kopf vor sich geht. In diesem hohlen Raum, in dem die meisten Männer angeblich nichts drin haben – wobei ich vermute, dass das eher eine Unterstellung ist als eine Tatsache. Aber das ist ein anderer Artikel. Vielleicht nenne ich ihn Das Leben von Wadrema – Wa für Wasser, Dre für Dream, Ma für Mann. Das Wasser, das fliesst. Der Traum, der trägt. Der Mann, der beides lebt.
Mein Geist ist darauf programmiert, Belohnungen zu erhalten. Er bekommt Dopamin heutzutage so einfach wie ein Automat, der Kleingeld ausspuckt, wenn man nur fest genug dran rüttelt. Jedes Mal, wenn ich jemandem geholfen habe, gab es diesen kleinen Kick. Du bist gut. Du bist wichtig. Du wirst gebraucht. Und zack – schon war ich wieder abhängig. Nicht von einer Substanz, sondern von der Bestätigung, die ich bekam, wenn ich mich für andere aufopferte.
Aber hier ist die Wahrheit, die ich lernen musste: Ich bin nicht dafür da, die Probleme anderer zu lösen. Zumindest nicht, ohne etwas dafür zu verlangen.
Das klingt hart. Vielleicht sogar egoistisch. Aber es ist das Gegenteil. Es ist Selbstschutz. Denn wenn ich meine gesamte Energie dafür aufwende, anderen ein Spiegel zu sein, komme ich selbst zu kurz. Meine Energie wird herausgezogen.* Eng. Drained*. Ausgebrannt. Und dann stehe ich da – der grosse Helfer, der sich selbst nicht mehr helfen kann.
Die Frage, die mich seither begleitet: Wie schaffen wir es, geradeaus zu blicken und uns Ziele zu setzen? Wie schaffen wir es, mit reinem Verstand zu arbeiten, ohne sofort nach der nächsten Dopaminquelle zu suchen? Ich würde diese Quelle gerne in Dingen finden, die mich wirklich aufbauen – Sport, Schreiben, echtes Wachstum. Dinge, die nicht von aussen kommen, sondern von innen. Dinge, die nicht süchtig machen, sondern stark.
Denn wahre Hilfe hat einen Wert. Und wenn du deinen Wert nicht kennst, wirst du ihn verschenken – bis nichts mehr übrig ist.
Warum ich Millionär werden will#
#
Okay. Jetzt wird es ungemütlich. Zumindest für mich.
Ich will Millionär werden. Seit ich sechs Jahre alt bin. Das ist emotional verankert, tief in mir drin, wie ein Pfahl, den niemand mehr rauszieht. Ich wurde bereits in der Schule gefragt, warum ich Millionär werden will. Meine Antwort damals: Ich wollte Zahnarzt werden. Weil das für mich am nächstliegenden war. Weil ein Zahnarzt viel verdient. Das war der erste Gedanke, den ein sechsjähriger Junge fassen konnte, um dem zu entkommen, was wir zu Hause erlebten.
Denn wir lebten am Existenzminimum. Nicht metaphorisch. Nicht "es war knapp". Sondern wirklich. Und das prägt. Das brennt sich ein. Nicht als Trauma, sondern als Antrieb.
Aber warum nach wie vor? Was will ich mir leisten? Warum will ich effektiv finanzielle Freiheit erlangen? Das Leben macht doch auch Spass ohne die Million – oder?
Lange Zeit habe ich diesen Wunsch nur mit meiner Vergangenheit begründet. Aber das will ich nicht mehr. Ich will vom Jetzt erzählen. Von der Zukunft.
Ich strebe nach finanzieller Fülle. Null aus Gier – vielmehr aus dem Wunsch nach Freiheit. Ich möchte nicht eingeschränkt sein. Nicht in meinen Entscheidungen, nicht in meinen Möglichkeiten, nicht in meiner Fähigkeit, den Menschen zu helfen, die mir wichtig sind. Diese Freiheit gibt mir die Ressourcen, meine Visionen voll auszuleben, meine Liebsten zu unterstützen und einen nachhaltigen Wert zu schaffen, von dem andere profitieren können. Ein eigener Pool ist für mich dabei kein Selbstzweck. Er ist ein Symbol – für die Ruhe und den Raum, den ich mir erarbeitet habe, um klar denken und grosszügig sein zu können.
Dieser Punkt fällt mir trotzdem schwer. Einerseits, weil ich manchmal gerne auch angebe mit dem, was ich habe. Ja, das gebe ich zu. Ich geniesse das Rampenlicht. Ich liebe es, vor Menschen auf einer Bühne zu stehen. Das Bedürfnis nach Aufmerksamkeit ist vielleicht nicht «normal» – aber es ist ehrlich. Und ich habe gelernt, dass Ehrlichkeit der erste Schritt zur #Kongruenz ist. Vielleicht habe ich den Wunsch gar nicht, angeben zu wollen. Aber vielleicht doch. Ich weiss es nicht. Und das ist okay. Ich muss nicht jede Ambition sofort in eine schöne Schublade packen.
Andererseits – und das ist der tiefere Grund – habe ich eine Verbindung zu meiner Mutter, die ich mit Worten kaum beschreiben kann. Sie ist die liebenswürdigste Person, die mir je begegnet ist. Diese Frau nicht nur mit Samthandschuhen anzufassen, sondern mit bedachten Worten, getragen von Liebe, zu behandeln – das ist mir heilig. Ihr mit Gefühlen der Dankbarkeit und Freude zu begegnen. Sie zu unterstützen, ein Leben zu leben, das erfolgreich ist. Dieses Bedürfnis ist kein Wunsch mehr. Es ist ein Fundament. Sie hat körperliche Probleme. Und diese kommen durch den konstanten Stress, den sie jahrelang getragen hat. Davon möchte ich sie erlösen. Nicht irgendwann. Sondern bald.
Und dann ist da noch etwas Grösseres. Ich glaube, dass wir auf dieser Erde die Verantwortung haben, Wertschöpfung zu generieren. Nicht nur für uns selbst, sondern für die Menschheit. Das ist mit Absicht so geschrieben: Ich möchte mich damit beschäftigen, unbedingt zu geben. Einen Wert zu kreieren, von dem jeder Mensch profitieren kann. Diese Wertschöpfung kann ich dann in finanzielle Rechnungen umwandeln, um davon meinen Lebensunterhalt zu finanzieren – und ja, auch ein bisschen Luxus. Sogar unerschöpfliches Einkommen, wenn möglich. Eine Finanzquelle, die nicht versiegt.
Ist das überheblich? Vielleicht. Aber ich finde, der Mensch sollte nach mehr streben als nur dem Standard. Ich möchte nicht wie eine Kuh auf der Weide mein ganzes Leben verbringen, friedlich grasend, bis ich irgendwann abgeschlachtet werde. Dieses Bild habe ich im Kopf, und es jagt mir einen Schauer über den Rücken. Nicht weil ich Kühe nicht mag – sondern weil dieses Bild für ein Leben steht, das nie wirklich gelebt wurde. Ein Leben, das einfach nur passiert ist.
Ich will, dass mein Leben nicht einfach passiert. Ich will es gestalten.
Meine persönliche Guideline: Vom Wunsch zur Tat#
#
Früher war ich der Wishmaker. Oder besser: der Wish-taker-maker – einer, der sich so viel wünscht, dass er gar nicht mehr in die Umsetzung kommt. Oder einer, der nur die Wünsche von anderen nimmt und diese umsetzen möchte, anstatt seine eigenen zu leben. Als Kind wünscht man sich noch viel. Grosses wie Kleines. Vieles geht in Erfüllung, und die Wünsche, die nicht in Erfüllung gehen, die bleiben in den Wolken hängen wie Ballons, denen jemand die Schnur losgelassen hat.
Doch was, wenn wir erwachsen werden? Was, wenn der kleine Bube in mir zum Mann wird und plötzlich sagt: Schluss mit Wünschen. Das Leben ist kein Wunschkonzert.
Ich nehme das Zepter selbst in die Hand. Und ich gebe es nicht mehr ab.
Dabei habe ich einen persönlichen Kompass entwickelt. Fünf Schritte, die für mich funktionieren. Kein Guru-Wissen. Kein Mantra von einem Mentor, der auf einem Berg meditiert hat. Sondern meine eigenen Worte, geboren aus meinen eigenen Fehlern, meinen eigenen Nächten, in denen ich wach lag und mich fragte: Warum komme ich nicht voran?
Schritt 1 – Die Vision.
Ich halte mir eine Vision vor Augen. Aber nicht so, wie man es in Motivationsvideos sieht – mit dramatischer Musik und Zeitlupe. Sondern so: Ich bin die Vision. Ich strahle meine Realität so glaubhaft aus, dass andere plötzlich auch daran greifen können. Die Vision ist kein Bild an der Wand. Sie ist ein Gefühl in der Brust.
Schritt 2 – Die Ziele.
Die Vision in greifbare Ziele übersetzen. Das ist schwieriger, als es klingt, denn diese Ziele sind am Anfang vielleicht kaum greifbar – nicht mal für mich selbst. Und das ist okay. Das Ziel muss nicht perfekt sein. Es muss nur da sein.
Schritt 3 – Die Identität.
Bevor ich das Ziel erreichen kann, muss ich zu dem Menschen werden, der dieses Ziel erreichen würde. Wer bin ich, wenn ich bereits erfolgreich bin? Wie denke ich? Wie handle ich? Wie stehe ich morgens auf? Das ist der Schritt, den die meisten überspringen – und genau deshalb scheitern sie.
Schritt 4 – Die Programmierung.
Glaubenssätze. Gesunde Routinen. Die tägliche Arbeit an mir selbst. Nicht die Mantras anderer, sondern meine eigenen Worte. Meine eigenen Hinweise, die mich durchs Leben tragen. Ich arbeite wie das Wasser fliesst – stetig, unaufhaltsam, anpassungsfähig.
Schritt 5 – Die Umsetzung.
Hier wird die Vision zusammen mit den vier Schritten davor zur Realität. Kein Geheimnis. Kein Trick. Einfach: Tun. Jeden Tag. Auch wenn es sich klein anfühlt. Auch wenn niemand zuschaut.
Dieser Zyklus – vom Schmerzpunkt, der ein Bedürfnis weckt, über die Vision, die Ziele, die Identität, bis hin zur Tat – ist ein klarer Weg, der langfristige Glückshormone in uns hervorruft. Nicht das billige Dopamin des schnellen Kicks, sondern das tiefe, ruhige Glück, das entsteht, wenn man an sich arbeitet und wächst.
So sehe ich mich in ein paar Jahren: als erfolgreicher Mann. Nicht weil ich es mir gewünscht habe, sondern weil ich die Schritte gegangen bin.
Finde deine eigenen Worte#
Wir haben als Kinder viel mitbekommen. Einige von uns haben eine Erziehung erlebt, in der uns Dinge eingetrichtert wurden wie Vokabeln vor einer Prüfung, die wir nie bestehen wollten. «Sag niemals nie.» «Sei brav.» «Stell dich nicht so an.» «Träum nicht so gross.»
Diese Hinweise dürfen bestehen bleiben. Sie gehören zu unserer Geschichte. Aber sie dürfen in den Hintergrund rücken. Sie müssen nicht mehr die Stimme sein, die uns lenkt.
Ich wünsche mir, dass du – ja, genau du, der diesen Text gerade liest – deine eigenen Worte findest. Deine eigenen Hinweise, die dich durchs Leben tragen. Nicht die Glaubenssätze von Mentoren, nicht die Mantras aus Büchern, die du halb gelesen und dann ins Regal gestellt hast. Sondern deine eigenen Sätze. Geboren aus deinen eigenen Erfahrungen, deinen eigenen Schmerzen, deinen eigenen Triumphen.
Denn dieser Text hier? Das bin ich. Roh. Ungefiltert. Manchmal unbeholfen. Manchmal vielleicht sogar überheblich. Aber echt. Und alles, was echt ist, hat Wert.
Ich trinke jetzt einen Schluck Wasser. Nicht weil das besonders tiefgründig klingt – sondern weil Wasser den Fluss am Laufen hält. Und ich bin im Fluss. Mein Fluss. Mit meinen Worten. Meinen Gedanken. Meinen Träumen, die keine Wünsche mehr sind, sondern Ziele, an denen ich jeden Tag arbeite.
Wenn du diesen Text gelesen hast und auch nur einen einzigen Gedanken mitnimmst, dann lass es diesen sein:
Es ist nicht überheblich, gross zu träumen. Es ist überheblich, es nicht zu tun – und so zu tun, als wäre der Standard das Maximum dessen, was ein Mensch verdient.*
Du verdienst mehr. Aber niemand wird es dir geben. Du musst es dir nehmen. Mit deinen eigenen Händen. Deinen eigenen Worten. Deinem eigenen Fluss.
Peace and Out.#
– Wadrema


Kommentare
Noch keine Kommentare. Schreib den ersten.