Teil 4 Der dritte Tag: "All in Bitcoin"

Der dritte Tag lieferte Einblick in Funktionsweise der Blockchain, das Erstellen einer Wallet und die Funktionsweise des Netzwerkes.

zettizettler

20. Juli 2025July 20, 2025 · 5 Min. Lesezeit5 min read

Einführung in die Thematik Blockchain

Der dritte Tag sollte voll dem Thema Bitcoin gewidmet sein und dazu habe ich direkt zu Beginn für eine gezielte kognitive Dissonanz gesorgt, um Aufmerksamkeit zu erzeugen. Die Teilnehmer des Projektes hatten am Vortag durch das Video vermittelt bekommen, dass die erlernten Eigenschaften von „gutem Geld“ bei Bitcoin sehr gut erfüllt werden. Ich konfrontierte sie nun mit der Frage, wie sie denn nun an die Satoshis aus ihrer Wallet vom ersten Tag (WoS) kämen, wenn dieses Unternehmen seinen Dienst einstellen würde. Im Zuge dieses Gespräches realisierten sie, dass es sich dabei auch um eine Datenbank handelt. Nun war es an mir, in Form eines Lehrervortrages den Zusammenhang zwischen Bitcoin Lightning (fremdverwahrt) und Bitcoin Onchain (eigenverwahrt) grob zu erklären. Hierbei kommt natürlich der Begriff „Blockchain“ ins Spiel, da es sich um eine dezentralisierte Datenbank handelt. Anhand eines Simulators im Netz erläuterte ich ihnen die ungefähre Funktionsweise einer Blockchain. Der Begriff fiel tatsächlich am ersten Tag bei der Abfrage des Vorwissens auch schon als Schlagwort und das Interesse an der Demonstration war groß. Die Schülerinnen und Schüler stellten viele Fragen, die teilweise weit darüber hinaus gingen, was ich ihnen an diesem Punkt eigentlich vermitteln wollte. Die anschließende Frage war nun natürlich, wie man mit dieser dezentralen Datenbank interagieren kann und diese leitete zum nächsten Teil über.

Erstellen eines Wallets

Zur Illustration entschied ich mich wieder für einen praktischen Weg, um die Erstellung eines Wallets anschaulich zu machen. Die Teilnehmer sollten sich ihren Privatkey / Seed selber erwürfeln. Dazu hatte ich einige Sätze Würfel mitgebracht, die BIP-39-Wortlisten von BitBox ausgedruckt und einführend ein Video zur Verfahrensweise gezeigt. So erwürfelten sich die Teilnehmenden jetzt ihre Seeds und fanden das 12te Wort mithilfe der BlueWallet heraus. Sobald man danach eine eigene Wallet in der BlueWallet erstellt hatte, bekam man von mir ein paar Testsatoshis darauf. An dieser Stelle zeigte sich jedoch meine mangelnde Erfahrung mit solchen Schulungen, da genau in diesem Zeitraum die Gebühren im Mempool stiegen und mein Rückgeld nicht wieder schnell genug in der Wallet war. Das nächste Mal würde ich mit mehreren UTXOs arbeiten, von denen ich Sats verschicken kann, um nicht immer auf das Rückgeld warten zu müssen.

Die Wartezeit zwischen den Würfelrunden konnte man dann für Gespräche nutzen, die verdeutlichten, warum man dies im Normalfall besser nicht in einer Gruppe erledigt und was es eigentlich bedeutet, wenn man seinen Reichtum mit 12 Wörtern abspeichern kann. Die Dimension von einer 256-Bit-Verschlüsselung war natürlich auch für Schülerinnen und Schüler kaum zu begreifen. Zur Veranschaulichung sahen wir uns noch ein weiteres Video an.

Funktionsweise von Bitcoin

Zur Funktionsweise von den Einzelkomponenten von Bitcoin habe ich die Teilnehmer wieder in eine Eigenrecherche geschickt. Als Material dienten hauptsächlich die Blinks und Erklärvideos auf Youtube. Als Themengebiete habe ich folgende mit unterschiedlicher Schwierigkeit ausgewählt:

1.     Mining, Proof of Work und Difficulty Adjustment (schwer)

2.     Nodes und Dezentralität (mittel)

3.     Entwickler und Open Source Software (leicht)

4.     Halving und Stock to Flow Ratio (leicht)

5.     Orakel Problem und Blockchain Trilemma (schwer)

Bei dieser Recherche wurde sehr deutlich, dass eine engere Materialauswahl nützlich ist. Gerade die Gruppe, die sich mit dem Orakel Problem und dem Blockchain Trilemma auseinandersetzen sollte, stieß - sowohl bei der Nutzung von KI als auch bei der offenen Recherche-  auf diverse andere „Projekte“, die diese Probleme „lösen“. Dementsprechend musste ich einige Ergänzungen und Korrekturen vornehmen. Als Hilfe dienten hier das Bild „La trahison des images“ oder „Der Verrat der Bilder“ („Dies ist keine Pfeife“).

Einige verstanden tatsächlich erst hier den fundamentalen Unterschied zwischen Bitcoin und anderen werterhaltenden Gegenständen unserer Zeit (Immobilien, Aktien und Gold), obwohl wir beim Erstellen des Wallets darüber gesprochen haben. Die Erkenntnis, dass die Information (Privat Key) bei Bitcoin selbst der Wert ist und es im Netzwerk keinen externen Instanz durch Durchsetzung der Eigentumsrechte braucht, war bahnbrechend für die Teilnehmenden. Erst hier wurde deutlich, was Zensurresistenz in Kombination mit Transportierbarkeit wirklich bedeutet. Insgesamt blieb das Zusammenführen der erarbeiteten Einzelkomponenten jedoch noch oberflächlich, und ich war noch weit davon entfernt, den Teilnehmenden ein vollständiges Bild von der Funktionsweise von Bitcoin zu vermitteln (falls es ein solches überhaupt gibt ...). Für diesen Teil würde ich beim nächsten Mal definitiv mehr Zeit einplanen.

„Gutes Geld“

Zum Abschluss des Tages trugen wir nun Bitcoin in die Tabelle mit den Eigenschaften “guten Geldes“ und den historischen Geldern ein. Erwartbar fiel nur der Punkt lange Geschichte negativ auf. Mit dem Wissen um die Stärken Bitcoins nahmen die Schülerinnen und Schüler jetzt auch noch diverse Änderungen bei den anderen Geldern vor. Die Messlatte für „gutes Geld“ wurde deutlich verschoben. Ganz so einfach wollte ich das aber nicht stehen lassen und konfrontierte die Schülerinnen und Schüler mit der Idee, dass ich sie ja auch mit den Eigenschaften betrogen haben könnte und es noch andere Nachteile geben könnte. Wir trugen also noch die Notwendigkeit von Internet und die komplizierte Handarbeit als aktuelles Problem hinzu. Insgesamt war das ein sehr enger und anspruchsvoller Tag, für dessen Inhalte ich beim nächsten Mal mehr Zeit einplanen würde. Die Mischung aus Eigenarbeit, Lehrervortrag und Praxiselement sorgte jedoch für eine gute Abwechslung.

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