Erbschaftsteuer auf Bitcoin: Was gilt und wie du legal weniger zahlst

Geerbte und geschenkte Bitcoin sind erbschaftsteuerpflichtig, bewertet zum Kurs am Stichtag. Was das konkret heißt, welche legalen Gestaltungen es gibt – von Freibeträgen im Zehnjahrestakt bis zum Wegzug – und warum Verschweigen ein schlechter Deal ist.

Bitcoinlighthouse

September 25, 2026 · 7 min read · Updated September 30, 2026

Wer Bitcoin über Jahre gespart hat, hat dafür in aller Regel versteuertes Einkommen verwendet. Stirbt er, greift der Staat ein zweites Mal zu, diesmal bei den Kindern. Man kann die Erbschaftsteuer für eine Doppelbesteuerung halten, für einen Eingriff in das, was Familien über Generationen aufbauen. Wir tun das.

Aber: Sie ist geltendes Recht, und dieser Artikel zeigt dir, wie sie für Bitcoin funktioniert, was du legal tun kannst, um weniger zu zahlen, und warum Verschweigen keine gute Idee ist. Nicht aus Ehrfurcht vor dem Finanzamt, sondern aus nüchternem Kalkül für deine Erben.

Keine Steuerberatung:

Dieser Artikel erklärt die Rechtslage in Deutschland (Stand September 2026) und ersetzt keine Beratung. Bei größeren Beständen lohnt sich ein Steuerberater oder Fachanwalt für Erbrecht, der Bitcoin versteht. Die Gestaltungen unten sind gerade dann wertvoll, wenn man sie früh und sauber plant.

Die Grundregeln in fünf Sätzen#

  1. Bitcoin sind steuerlich Vermögen wie jedes andere. Geerbte oder geschenkte Bitcoin unterliegen der Erbschaft- bzw. Schenkungsteuer.
  2. Bewertet wird zum Euro-Kurs am Stichtag: beim Erbe am Todestag, bei der Schenkung am Tag der Übertragung. In der Praxis zählt der Kurs einer anerkannten Handelsplattform an diesem Tag. Fällt der Kurs danach, ändert das an der Steuer nichts.
  3. Es gelten die normalen Freibeträge: Ehepartner 500.000 €, Kinder 400.000 €, Enkel 200.000 € (400.000 €, wenn ihr Elternteil schon verstorben ist), Geschwister, Nichten, Neffen und nicht verheiratete Partner nur 20.000 €.
  4. Darüber greifen die Steuersätze nach Verwandtschaftsgrad: für Kinder und Ehepartner zwischen 7 und 30 %, für Geschwister 15 bis 43 %, für Lebensgefährten ohne Trauschein 30 bis 50 %.
  5. Der Erbe muss den Erwerb innerhalb von drei Monaten dem Finanzamt anzeigen (§ 30 ErbStG), sobald er davon weiß.

Die Freibeträge gelten übrigens seit 2009 unverändert, obwohl die Preise seitdem um rund 40 Prozent gestiegen sind. Wie diese stille Steuererhöhung beim Elternhaus wirkt, haben wir in einer Satire aufgeschrieben. Bei Bitcoin wirkt sie doppelt, denn sein Euro-Kurs steigt langfristig nicht nur mit der Knappheit, sondern auch mit der Entwertung des Euro.

Die gute Nachricht: Die Haltefrist wird vererbt#

Erben treten steuerlich in die Fußstapfen des Verstorbenen. Hat er seine Bitcoin länger als ein Jahr gehalten, können die Erben sie nach heutigem Recht einkommensteuerfrei verkaufen. Hielt er sie kürzer, läuft seine Frist einfach weiter. Dasselbe gilt für Schenkungen: Die Beschenkte übernimmt Kaufdatum und Kaufpreis des Schenkenden.

Das Finanzministerium plant allerdings, die Haltefrist für Bitcoin zu streichen, die ab 2027 gekauft werden. Was im Entwurf steht und was für Altbestände gilt, steht in Bis 31.12. Bitcoin kaufen?. Die Grundlagen der heutigen Regel erklärt Bitcoin steuerfrei nach einem Jahr.

Fällt ausnahmsweise beides an, also Erbschaftsteuer und Einkommensteuer auf einen Verkauf innerhalb der Frist, mildert § 35b EStG die Doppelbelastung.

Das Erbschaftsteuergesetz belohnt eine Sache zuverlässig: Planung. Wer erst nach dem Tod reagiert, hat kaum noch Spielraum. Wer zu Lebzeiten handelt, sehr viel.

1. Freibeträge alle zehn Jahre neu nutzen#

Freibeträge sind keine einmalige Sache. Das Finanzamt rechnet Schenkungen und Erbschaften von derselben Person über zehn Jahre zusammen (§ 14 ErbStG). Danach steht der Freibetrag wieder vollständig zur Verfügung.

Wer früh anfängt, kann also einem Kind alle zehn Jahre 400.000 € steuerfrei übertragen. Jeder Elternteil hat dabei seinen eigenen Freibetrag: Zwei Eltern können einem Kind zusammen 800.000 € pro Jahrzehnt steuerfrei schenken, Großeltern ihren Enkeln je 200.000 €. Über 30 Jahre summiert sich das zu Beträgen, bei denen die meisten Familien nie einen Euro Erbschaftsteuer sehen.

2. Den Zeitpunkt wählen: in schwachen Phasen schenken#

Hier hat Bitcoin einen echten Vorteil gegenüber dem Elternhaus. Bewertet wird zum Kurs am Tag der Schenkung, und dieser Kurs schwankt stark. Wer in einer Schwächephase schenkt, überträgt dieselbe Menge Bitcoin zu einem niedrigeren Steuerwert. Steigt der Kurs danach, passiert das schon im Vermögen des Kindes, steuerfrei.

Beispiel: 6 BTC an die Tochter Kurs 100.000 € Kurs 65.000 €
Wert der Schenkung 600.000 € 390.000 €
Freibetrag Kind 400.000 € 400.000 €
Steuerpflichtig 200.000 € 0 €
Schenkungsteuer (11 %) 22.000 € 0 €

Dieselben 6 Bitcoin, einmal 22.000 € Steuer, einmal null. Die Kurse sind nur zur Veranschaulichung angenommen, das Prinzip gilt bei jedem Kurs.

3. Den Ehepartner über den Güterstand absichern#

Ehepartner im gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft haben neben ihrem Freibetrag von 500.000 € einen oft unterschätzten zweiten Hebel: Der Zugewinnausgleich ist steuerfrei (§ 5 ErbStG), und zwar nicht nur im Todesfall, sondern auch, wenn Ehepaare den Güterstand zu Lebzeiten per Ehevertrag beenden. Gerade wenn ein Partner den Großteil der Bitcoin angespart hat, kann das erheblich sein. Diese sogenannte Güterstandsschaukel gehört allerdings in die Hände eines Notars und Steuerberaters.

4. Heiraten#

Klingt unromantisch, ist aber Steuerrecht: Zwischen unverheirateten Partnern liegt der Freibetrag bei 20.000 €, der Steuersatz bei mindestens 30 %. Mit Trauschein bei 500.000 € und 7 bis 30 %. Wer seit Jahrzehnten zusammenlebt und dem anderen einen nennenswerten Bitcoin-Bestand hinterlassen will, sollte diese Rechnung zumindest einmal gemacht haben.

5. Mit den Füßen abstimmen#

Die deutsche Erbschaftsteuer greift, wenn der Erblasser oder der Erbe zum Zeitpunkt des Erbfalls in Deutschland steuerlich ansässig ist. Deutsche Staatsbürger gelten nach einem Wegzug noch fünf Jahre lang als Inländer (§ 2 ErbStG), bei einem Umzug in ein Niedrigsteuerland unter Umständen noch länger.

Heißt umgekehrt: Leben Eltern und Kinder schon länger in einem Land ohne Erbschaftsteuer für direkte Nachkommen, ist die deutsche Erbschaftsteuer kein Thema mehr. Österreich hat seine Erbschaftsteuer 2008 abgeschafft, in den meisten Schweizer Kantonen erben Kinder steuerfrei. Das ist kein Schlupfloch, sondern die älteste Form von Wettbewerb unter Staaten, und Aussteiger nutzen sie seit jeher. Die Hürde ist hoch: Es müssen beide Seiten gehen, und das rechtzeitig. Ein Umzug im letzten Lebensjahr bringt nichts.

6. Sauber dokumentieren#

Unspektakulär, aber bares Geld wert: Halte fest, wann du welche Bitcoin zu welchem Preis gekauft hast. Ohne diesen Nachweis können deine Erben später weder die vererbte Haltefrist belegen noch nachweisen, woher das Geld stammt, wenn sie verkaufen. Wie du Zugang und Unterlagen für den Ernstfall regelst, zeigt der Notfallplan für Bitcoin-Erben. Ob dein Plan trägt, verrät der Bitcoin-Erbe-Check in sieben Fragen.

Und wenn man die Bitcoin einfach nicht angibt?#

Die Frage liegt nahe, denn selbstverwahrte Bitcoin tauchen in keinem Bankauszug auf. Die ehrliche Antwort: Das wäre Steuerhinterziehung (§ 370 AO), und für die Erben ist es aus rein praktischen Gründen ein schlechter Deal.

Du musst diese Steuer nicht gut finden. Du musst sie nur nicht höher zahlen als nötig, und das gelingt mit Planung deutlich besser als mit Verstecken. Wer es richtig angeht, schützt beides: das Vermögen und den Familienfrieden. Eine Schenkung innerhalb der Freibeträge kostet keinen Cent Steuer, nur eine formlose Anzeige beim Finanzamt, und die Sache ist sauber dokumentiert.

Fazit#

Die Erbschaftsteuer trifft Bitcoin genauso wie jedes andere Vermögen. Aber Bitcoin hat Eigenschaften, die sich für eine vorausschauende Planung besonders gut eignen: Es lässt sich in beliebig kleinen Teilen übertragen, ohne Notar und Grundbuch, und sein schwankender Kurs lässt sich für die Wahl des Zeitpunkts nutzen. Wer früh anfängt, die Freibeträge im Zehnjahrestakt ausschöpft und sauber dokumentiert, gibt seiner Familie den Großteil dessen weiter, was er aufgebaut hat. Legal und ohne Angst vor einem Brief in zehn Jahren.

Wie die Übergabe technisch funktioniert, damit die Bitcoin auch wirklich ankommen, erklärt unsere Seite Bitcoin vererben.


Dieser Artikel erschien zuerst auf bitcoinlighthouse.de – dort findest du auch unsere Bitcoin-Workshops in München.

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