Die digitale ID einschließlich der EUDI-Wallet soll in Europa zum Standardverfahren für den Identitätsnachweis gegenüber Banken werden. Nach dem Willen der erst gut einjährigen EU-Behörde zur Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung (AMLA) soll diese «wo immer möglich verwendet werden». Das geht aus dem endgültigen Entwurf von entsprechenden Standards hervor, die AMLA kürzlich bei der EU-Kommission eingereicht hat.
Andere bisher übliche Methoden wie Video- und Selfie-Prüfungen sollen nur in Ausnahmefällen weiterhin zulässig sein. Banken müssten zudem im Einzelfall gegenüber der Aufsichtsbehörde begründen, warum ein Kunde nicht anders identifiziert werden konnte.
Der Entwurf sieht außerdem vor, dass durch alternative Lösungen gewonnene Bilder, Videos, Tonaufnahmen und Daten für «nachträgliche Überprüfungen» gespeichert werden müssen. Bei Verwendung der EUDI-Wallet müssten «keine zusätzlichen Datenpunkte erhoben und durch zusätzliche Informationen verifiziert werden», da diese Methode als ausreichend sicher angesehen werde.
All dies dürfte dazu führen, dass Banken nach Wegen suchen werden, ihre Kunden zur Nutzung der EUDI-Wallet zu bewegen, vermutet Reclaim The Net. Die Nutzung von Alternativen bedeute für sie mehr Arbeit und potenzielle Haftungsrisiken.
Den Bürgern wird die EUDI-Wallet als freiwillige Möglichkeit verkauft, Ausweise und andere Dokumente zu speichern sowie online auf öffentliche und private Dienstleistungen zuzugreifen. Gleichzeitig – und noch bevor sie tatsächlich im Einsatz ist – wird stetig auf eine De-facto-Verpflichtung im Alltag hingearbeitet. Standards sind für solche Strategien ein erprobtes Mittel.
Der Schritt der AMLA sei ein weiteres Beispiel dafür, wie der EU-Rahmen für digitale Identitäten schrittweise ausgebaut und umfassender gestaltet wird, so Reclaim The Net. Noch im April habe die Europäische Kommission dementiert, dass die digitale Geldbörse verpflichtend sei. Parallel dazu kursierten jedoch zum Beispiel Pläne wie in Deutschland, sie als Altersnachweis für Social Media vorzuschreiben.
Gerade am Donnerstag hat der Deutsche Bundestag die nationale Rechtsgrundlage für die Einführung einer digitalen Brieftasche verabschiedet. Ein weiterer Schritt zur Befolgung der EU-Regeln, denn jedes Mitgliedsland muss bis Ende 2026 seinen Bürgerinnen und Bürgern eine EUDI-kompatible Wallet zur Verfügung stellen.
Gesundheit und Finanzen sind zwei Sektoren, in denen Regierungen besonders viel Wert auf Digitalisierung legen. Die theoretische Freiwilligkeit, digitale IDs zu benutzen, droht in der Praxis jedoch, zunehmend zur Pflicht zu werden. Mit absehbaren Konsequenzen und Risiken.
Angesichts der Tatsache, dass ein Bankkonto eine Notwendigkeit ist und die EUDI-Wallet jetzt als bevorzugte Identifikationsmethode im Finanzsektor propagiert wird, sei es unwahrscheinlich, dass die Bürger viel Wahl haben werden, konstatiert Reclaim The Net. Gepaart mit den ebenfalls reifenden digitalen Zentralbankwährungen (CBDC) schwindet der persönliche Spielraum komplett.
Es wird definitiv Zeit, sich nach alternativem Geld umzuschauen. Ich hätte da auch schon eine Idee. Die hat etwas mit einem offenen, dezentralen, unzensierbaren Zahlungsnetzwerk namens Bitcoin zu tun. Selbstbestimmt und unabhängig von Banken, Regierungen und Regulatoren. Vielleicht mal ansehen.
[Titelbild: Pixabay]
Dieser Beitrag wurde mit dem Pareto-Client geschrieben und ist zuerst auf Transition News erschienen.


Kommentare
Noch keine Kommentare. Schreib den ersten.