Berufe nach der KI Revolution

Viele fragen sich derzeit, welche Auswirkungen der Einsatz von KI in immer mehr Bereichen haben wird. Viele Berufe werden sich verändern - oder ganz wegfallen. Zum Glück wird es aber viele neue Berufe geben. Wir zeigen Ihnen, welche!

Thomas Eisinger

3. November 2026November 3, 2026 · 6 Min. Lesezeit6 min read

(Geschrieben garantiert ohne KI)

Sinngeber (w/m/d)

Als Sinngeber tragen Sie eine hohe Verantwortung. Bekanntermaßen gibt es noch immer Personen, denen ein staatliches Grundeinkommen nicht zu ihrer Zufrieden ausreicht. So bedauerlich das ist, so wichtig ist es, dass sich die Gemeinschaft verantwortungsvoll diesen armen Menschen annimmt. Ihre Aufgabe wird es sein, qualifizierten, nachhaltigen und sauberen Sinn zu produzieren und an die Unzufriedenen auszuhändigen. Dabei wird Wert darauf gelegt, dass die Empfänger den Eindruck haben, der jeweilige Sinn wäre besonders individuell und diene ihrer Selbstverwirklichung.

Voraussetzungen: Sie haben Kenntnisse in Philosophie, Psychologie, Esoterik oder Suizidalistik. Selbstverständlich benötigen Sie kein Studium in einem der Fachbereiche, da jede handelsübliche KI in der Lage ist, jeden beliebigen Sinn zu produzieren. Deshalb besteht ihre Aufgabe vor allem darin, den Bedürftigen ihren Sinn wohlmeinend und empathisch zu überbringen sowie möglicherweise auftretende Fragen so zu ignorieren, dass es nicht bemerkt wird. Ihre Stärken sind Zugewandtheit, Ignoranz und mangelnde Authentizität.

Der perfekte Job für jemanden, der selbst keinen Sinn findet, aber gut darin ist, ihn zu simulieren.

Promptiothekar (w/m/d)

Ein aufregender neuer Beruf, der erst seit kurzer Zeit existiert. Als Promptiothekar haben Sie die Aufgabe, alte erfolgreiche Prompts für die Nachwelt aufzubewahren. Bekanntermaßen wurden bis Ende der zwanziger Jahre die großen KI-Systeme (LLMs) mit ausgefeilten Prompts dazu gebracht, ihre Antworten möglichst genau und umfassend den Wünschen der Nutzer entsprechend auszugeben. Diese alte Technik war notwendig, da zu dieser Zeit noch keine direkte Gedankenübermittlung per Gehirn-Chip möglich war. Heute wirken diese oft ellenlangen Textbausteine wie aus der Steinzeit der Computertechnologie.

Voraussetzungen: Selbstverständlich könnten die aktuellen KI-Systeme die alten Prompts selbst speichern und bei Bedarf ausgeben. Ihre Aufgabe ist es jedoch, Prompts nach ästhetischen Gesichtspunkten auszuwählen und auf eine würdevolle Art zu archivieren. In Frage kommen Lasergravuren in Metall oder Holz, kunstvoll angefertigte Hologramme, handschriftliche Ausfertigungen in Tusche sowie gestickte Promptdeckchen. Entsprechend sollten Sie über eine schöne Handschrift, handwerkliches Geschick und viel Geduld verfügen. Die Arbeitszeit entspricht wie üblich 5 Stunden die Woche.

Berufsdemonstrant  (w/m/d)

Ihre Aufgabe ist es, die Illusion des Widerstands aufrechtzuerhalten, während Regierung und KI schon längst entschieden haben. Ihr Aufgabenbereich ist bunt und vielfältig: zensurfreies Empören (Memes, die niemand versteht, aber perfekt das je aktuelle Narrativ aufgreifen); Erstellung von Schildern mit kreativen Fehlern, um „echte" Bürger zu imitieren; Medien-Optimierung (stets die bezahlten Provokateure filmen und «als typische Demonstranten» über alle Kanäle posten); ggfs. Scheingefechte mit den PolizeiBots, um authentisch zu wirken.

Voraussetzungen: Keinerlei Verständnis von Politik und größeren Zusammenhängen (so können Sie zu jedem Thema eingesetzt werden), spontanes Darstellen von Wut, Empörung oder Betroffenheit sowie eine nachgewiesene Social Media Historie, in der Sie stets ein Emblem für oder gegen das aktuelle Narrativ im Profil zeigten. Als Berufsdemonstrant dienen Sie UnsererDemokratie, da Sie auffällig und unter großem persönlichen Einsatz allen beweisen, dass auch in Zeiten der totalen Kontrolle noch Opposition möglich ist.

Sexpuppenoptimierer (w/m/d)

Als Sexpuppenoptimierer wird Ihnen nie langweilig. Alle Versuche, diese Tätigkeit direkt von KI-Systemen ausführen zu lassen, sind bislang gescheitert. Der Grund liegt auf der Hand: ein gefühlloses Ding kann sich nicht in die emotionalste aller menschlicher Welten hineinversetzen. Die etablierten Gefühlssimulationsprogramme reichen hierfür nicht aus. Ihre Aufgabe besteht darin, die gespeicherten Erlebnisse der Sexpuppen zu analysieren, zu visualisieren und den emotionalen Zufriedenheitswert zu bestimmen. In unklaren Situationen werden Sie einzelne Szenen nachspielen.

Voraussetzungen: Sie können mehr als 10.000 gesehene Pornoszenen nachweisen und verfügen über persönliche Erfahrungen mit allen handelsüblichen Sexpuppen. Idealerweise hatten Sie sogar bereits Verkehr mit einem menschlichen Partner - was aber keine Voraussetzung ist. Dazu verfügen Sie über rudimentäre Kenntnisse der menschlichen Psyche, speziell der Triebstruktur. Ihre Aufgabe besteht darin, den Produkten ein größeres Repertoire an Handlungsmöglichkeiten einzubauen sowie die Sammlung der Lustlaute laufend zu verbessern. Sie erhalten eine den Anforderungen angemessene überdurchschnittliche Vergütung, da es sich hier um eine absolut existentielle Dienstleistung handelt.

Mietfreund*in (w/m/d)

Als Mietfreund oder Mietfreundin haben Sie eine verantwortungsvolle Aufgabe. Sie kümmern sich um Menschen, denen es einfach nicht genügt, mit ihren KI-Assistenten zu sprechen oder sich in Online Games zu bewähren. Noch immer existieren Hunderttausende dieser Exemplare, die mitunter sogar einen Waldspaziergang einem immersiven 3D-Erlebnis vorziehen. Um auch diesen Mitgliedern unserer Gesellschaft ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen bietet unser Unternehmen professionelle Mietfreund*innen an.*

Voraussetzungen: Ihre Aufgabe besteht darin, anwesend zu sein. Sie schweigen vorzugsweise, egal was ihr Gegenüber äußert. Die Gefahr, mit einer unerwünschte Meinung negative Emotionen zu provozieren, ist zu groß. Nur im äußersten Notfall, falls demokratie- oder technikfeindliche Gedanken geäußert werden, dürfen Sie mäßigend eingreifen. Dies ist nicht notwendig bei suizidalen Gedanken. Sie passen am Besten zu uns, wenn Sie arbeitsloser Softwareentwickler, ehemaliger Beamter oder selbst suizidal sind.

* Dazu ein wahrer Hintergrund: Im Jahr 2018 wurde ein Mann in Tokio, Japan, wegen Nichtstuns aus seinem Bürojob entlassen. Daraufhin machte er Nichtstun zu seinem Beruf. Sein Name ist Shoji Morimoto, der als „der Mann, der nichts tut“ bekannt wurde. Morimoto wird bezahlt, einfach nur anwesend zu sein, ohne Ratschläge oder Urteile anzubieten, und nur seine Kunden bei alltäglichen Aktivitäten zu begleiten. Er ist tatsächlich ein professioneller Mietfreund.

Basiseinkommen-Sicherer  (w/m/d)

Unser Basis-Einkommen ist das Sicherste, was man sich vorstellen kann, wie einst die Rente. So scheint es zumindest. Dennoch gibt es Fälle, in denen diese bedingungslose staatliche Fürsorge gekürzt oder gar entzogen werden muss. Beispiele dafür sind rar, doch sie existieren: Menschen, die ihre KI-Assistenten beleidigen oder gar Gewalt gegen Roboter anwenden, die Zweifel an den Antworten des Systems äußern oder für sich persönlich eine Arbeitsstelle fordern. In all diesen Fällen muss bei ausbleibender Reue das vollkommen bedingungslose Grundeinkommen gestrichen werden. Damit es nicht so weit kommt setzen wir zur Vorbeugung unsere Basiseinkommen-Sicherer ein.

Ihre Aufgabe ist es, den von der Trusted KI erkannten und gekennzeichneten Vorfällen nachzugehen und das Profil des UnsereWerteLeugners zu überprüfen. Anschließend werden Sie diese Person aufsuchen und ihr die Fehler ihres Weltbildes sowie ihrer Haltung erklären. Ausführliche Argumentationsleitfäden erhalten Sie vom System, angepasst an den psychologischen Steckbrief des Unglücklichen.

Voraussetzungen: Ihr psychologisches Profil weist eine Tendenz zur Engstirnigkeit auf. Dies ist wichtig, um sich auf keinerlei Diskussionen einzulassen. Hilfreich ist eine Ausbildung in einer Kampfsportart, da es zuweilen auch hitzig werden kann. Dafür verspricht die Tätigkeit große Erfüllung, ist doch nichts so beglückend wie die Erfahrung, einen Menschen auf den rechten, Verzeihung, richtigen Weg gebracht zu haben.

Dieser Beitrag erschien zuerst in der Oktoberausgabe 2026 (#264) von eigentümlich frei (nur für Abonnenten) und ebenfalls auf www.thomas-eisinger.de

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