Der Kontrafunk war lange Zeit das Leuchtfeuer auf der Spitze des Pharos, der vielen Menschen Orientierung und die Gewissheit gegeben hat, dass sie weder in ihrer Wahrnehmung, noch sonst wie verrückt sind. Er war wirklich das Licht in der Corona-Finsternis. Dafür gebührt ihm nach wie vor großer Dank.
Man hatte erwartet, dass sich diese kritische Haltung auch in anderen Themen fortsetzt. Dem war nicht so, denn leider muss man ihm inzwischen genau dieselbe Einseitigkeit attestieren, die er den Mainstream-Medien in der Berichterstattung um Corona nicht nur einmal zu Recht vorgeworfen hat.
Spätestens mit der klaren Positionierung des Chefs vom Kontrafunkt, Herrn Burkhard Müller-Ullrich, in einer Sonntagsrunde im Mai 2026, in der er sich klar als Pro-Trump- und Pro-Israel-Anhänger bekannte, ist der Kontrafunk tendenziös geworden.
Vorläufiger Höhepunkt ist die Sonntagsrunde am 11. Oktober 2026. Zu Gast waren der Chefredakteur des „Nordkuriers“, Gabriel Kords, der Gründer und Leiter von „Apollo News“, Max Mannhart, sowie des Hauptstadtkorrespondent Frank Wahlig.
Gleich zu Anfang der Sonntagsrunde musste jedem, der seine Kritikfähigkeit nicht eingebüßt hat, der Atem stocken.
Es ging um den Besuch des Außenkanzlers Merz in der Ukraine am Wochenende des Tags der deutschen Einheit und seine weitere finanzielle Zusagen, die Müller-Ullrich durchaus als fragwürdig und zu kritisieren darstellte.
Was dann von Mannhart kam, ließ einem das Blut in den Adern gefrieren:
-Bei aller Korruption in der Ukraine sind das noch die sinnvollsten Ausgaben… Ich kann mich jetzt nicht all zu sehr darüber empören. Mir fallen viel unsinnigere Ausgaben ein, für die wir unser Steuergeld in Deutschland ausgeben. …Die Ukraine verteidigt da ihr Land…Gelder nachschießen, …sehr in deutschem Interesse…-
Müller-Ullrich zuckte daraufhin kurz, immerhin, dachte, das sei ironisch gemeint, wurde jedoch eines Besseren belehrt.
Statt bei Mannhart nachzuhaken, ob er wirklich davon überzeugt sei, dass die weitere Unterstützung der Ukraine eine gute Idee sei, spielte Müller-Ullrich die Aussage herunter.
Man fragt sich, ob das der Ausdruck eines unkritischen, journalistischen Harmoniebedürfnisses ist?
Die Sendung „Die Sonntagsrunde“ ist nicht live, sie wird aufgezeichnet. Man hätte also sehen können, wie Mannhart auf eine kritische Nachfrage reagiert und falls das aus dem Ruder gelaufen wäre, auch noch schneiden können. Hat man aber nicht.
Die Aussagen Mannharts blieben also so, wie gesagt, im Raum stehen. Für den kritisch gebliebenen Zuhörer stellt sich die Frage, ob Mannhart zu diesem Thema noch ganz sauber tickt? Eine eigene Meinung zu haben, ist sein gutes Recht, wo kämen wir denn da hin, tief blicken in die Gedankenstruktur eines Mannharts lässt sie jedoch dennoch.
Apollo-News hat sich übrigens bis heute nicht ein einziges Mal kritisch zu dem völkerrechtswidrigen US-israelischen Angriff auf den Iran geäußert, was ebenfalls tief blicken lässt.
Dafür hat aber Wahlig den Angriff Russlands auf die Ukraine als völkerrechtswidrig bezeichnet, was ja stimmt, den ebenso völkerrechtswidrigen US-israelischen Angriff auf den Iran jedoch der Vollständigkeit halber mit keiner Silbe erwähnt.
Wie anders soll man das bewerten, als dass hier eine einseitige Sicht auf die Dinge vermittelt wird?
Man darf zu allem eine Meinung haben, es darf auch als solche gekennzeichnete Meinungsbeiträge und Kommentare geben, diese können durchaus auch unterschiedlich sein. Ein Radiosender darf jedoch nicht von einer einseitigen Grundeinstellung durchtränkt sein, daher geht Pro-Trump und Pro-Israel gar nicht.
Viele haben zu Beginn seiner Präsidentschaft große Hoffnungen in Trump gesetzt, die in vielen Bereichen, auch in seiner eigenen Anhängerschaft, enttäuscht wurden. Der große „Friedenspräsident“ hat sich als das Gegenteil herausgestellt. Die gestiegenen Dieselpreise hat die Welt seinem völkerrechtswidrigen Angriff, zusammen mit oder sogar von Israel geschürt, auf den Iran, während Verhandlungen im Gange waren, zu verdanken. Ein Riesen-Diesel-Deal mit Putin wäre gar nicht nötig gewesen, wenn er den Iran zusammen mit Israel erst gar nicht völkerrechtswidrig angegriffen hätte. Jetzt stellt sich Trump vor den Zwischenwahlen als Retter der Weltwirtschaft hin, mag sein, dass die Preise dadurch etwas sinken, jedoch stellt sich die Frage, ob die Menschen wirklich so schnell vergessen, was der Ursprung für diese immensen Energiekosten ist? Als Folge der gestiegenen Energiekosten steigen auch die transportintensiven Lebensmittelkosten, ist das so schwer, die Zusammenhänge herzustellen? Die USA versuchen die Nordstream-Pipeline unter ihre Fittiche zu nehmen. Welche Folgen hat das für die deutsche und europäische Energieversorgung? Und auch muss man sich die Frage stellen, welche Rolle Putin eigentlich spielt, wenn er sich auf diesen Deal einlässt.
Wäre es also nicht an der Zeit, die kritiklose Trump-Pro-Gefolgschaft zu hinterfragen und der aktuellen Realität anzupassen?
Und genau so wenig, wie die einseitige Pro-Trump-Positionierung in Ordnung ist, ist auch die einseitige Pro-Israel-Positionierung eines auf ordentlichen Journalismus bedachten, kritischen Radiosenders nicht angemessen.
Ganz besonders, damit man ja nicht falsch verstanden wird, tut eine differenzierte Berichterstattung zu Israel und Gaza Not! Hier fehlt eine Darstellung beider Seiten völlig.
Von Seiten des Kontrafunks kein Wort zu den zionistischen Bestrebungen der jetzigen israelischen Regierung und ihren feuchten Träumen von einem Groß-Israel. Keine Empörung zu den Äußerungen eines Ben-Gvir, der sich selber sogar als Faschist bezeichnet, als Teil der israelischen Regierung. Kein Wort zu den Erstickungs-Anzeichen einer Daniella Weiss, als sie von dem Journalisten Piers Morgan nach der Gleichwertigkeit eines Menschenlebens von Palästinensern und Juden gefragt wurde.
Es dürfte wohl außer Zweifel sein, dass die AIPAC, die größte Israel-Lobby in den USA, Einfluss auf die Entscheidungen der US-Administration hat. Kein Wort, zu Kushner, dem Schwiegersohn Trumps, der sowohl Aufbauprogramme für Gaza, als auch im Diesel-Deal kräftig mit an den Strippen zieht, obwohl er keinerlei offizielle Funktion in der US-Administration hat und sehr eng mit Zionisten-Bibi ist.
Keine Fragen, wie weit der israelische Einfluss in den USA reicht, Trump dazu veranlasst zu haben, zusammen mit Israel den Iran völkerrechtswidrig anzugreifen.
Kein Kommentar zu der Aussage von Merz, dass Israel die Drecksarbeit erledigt.
Kein Nachhaken, ob an den Indizien, dass Israel den 7. Oktober, trotz vorheriger Warnungen von anderen Staaten, geschehen lassen hat, etwas dran ist.
Will man bestimmten Vermutungen nicht nachgehen, weil sie nicht ins Weltbild passen?
All dies hat nicht das geringste mit „antisemitisch“ oder „antiisraelisch“ zu tun, sondern mit einem kritischen, differenzierten und objektiven Blick auf die Vorkommnisse in Israel und Gaza, ohne den „ewigen deutschen Schuldfilter“ im Gehirn zu haben und ohne die Taten im Dritten Reich zu verharmlosen.
Im Gegenteil, wenn es nicht das Weltbild erschüttern würde, könnte man auf israelischer Seite Vorgehensweisen erkennen, von denen man dachte, dass sie nie wieder vorkommen dürfen.
Und auch die Einstellung zur AfD wäre im Kontrafunk kritisch zu hinterfragen. Denn auch in der AfD gibt es durchaus Transatlantiker und NATO-Befürworter, die 5% des BIP an die NATO werden nicht in Frage gestellt, wie denn auch, wenn man grundsätzlich Pro-Trump, also Pro-USA und letztendlich auch Pro-NATO, in der die USA die Hauptmacht sind, eingestellt ist?
Herr Müller-Ullrich ließ in der Sonntagsrunde durchblicken, dass die Redaktion durchaus kritische E-Mails der Hörerschaft zu genau diesen vorgenannten Themen erreichen. Vielleicht sollte er sich die noch etwas mehr zu Herzen nehmen, und seine einseitige Weltsicht aufgeben, wenn er nicht weitere Hörer verlieren will, von denen er letztendlich auch durch Spenden und Schenkungen abhängig ist. Man fragt sich auch, warum da kein Gegenwind seiner Hauptaktionäre kommt? Oder wollen die diese Einseitigkeit?
Der Kontrafunk ist nach wie vor ein wichtiges Instrument zum Hochhalten der Meinungsfreiheit. Es wäre jammerschade, wenn er durch seine einseitige Positionierung den Bach heruntergehen würde. Die kritischen Zuhörer lassen sich das auf Dauer nicht gefallen und es besteht die Gefahr, dass sie sich vom Kontrafunk als Informationsquelle verabschieden. Darum ist diese kritische Einschätzung hier nötig, damit noch rechtzeitig genug der Kurs gewechselt wird, hin zu einer ausgewogenen, beide Seiten darstellenden Berichterstattung.
Der Kontrafunk sollte sein immer noch vorhandenes Wohlwollen seiner Zuhörer nicht überstrapazieren, die sind nämlich ganz bestimmt nicht doof.
Gleiches gilt übrigens auch für Apollo-News, Tichys Einblick, der einen ähnlichen Israel-Kurs fährt und was man von NIUS halten soll, mit einem CDU-Hauptsponsor, kann sich jeder selbst ausdenken.
Auch den kritischen Medien gegenüber ist das Gebot der Stunde, ihnen ebenso kritisch gegenüberzustehen und wenn man den Eindruck hat, da läuft etwas aus dem Ruder, diese Meinung dazu auch klar und deutlich auszusprechen.
(pareto und Friedenstaube auch auf telegram unter https://t.me/pareto_artikel und https://t.me/friedenstaube_artikel )
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(Dieser Beitrag wurde mit dem Pareto-Client geschrieben.)
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(Bild von pixabay)


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